Interview mit einigen Referenten
des 1.Psychosomatik-Kongress in Isfahan, 23-24 Mai 2007
Frage
Professor Kächele Sie sind seit einigen Tagen in Isfahan, Sie haben an
dem Kongress teilgenommen. Wie sind Ihre Eindrücke hier im Iran in
Isfahan?
Antwort
Die Eindrücke zur Psychosomatik
Ja, mir scheint, es gibt ein Interesse an der Psychosomatik. Allerdings wäre es sehr wichtig, besser zu verstehen, was die iranischen Kollegen darüber fühlen und denken. Ich habe eben gehört, dass alle großen Werke der ??Psychosomatik ?? sind ins Persische übersetzt; so würde ich doch gerne wissen, wo ist der konkrete Bedarf an gemeinsamen Handlungen, an gemeinsamen Aktionen ist. Das denke ich, wäre für mich persönlich das Wichtigste
Frage
Wie beurteilen Sie es, hier nach Isfahan im Iran gekommen zu sein?
Freuen Sie sich, dass Sie hier sind oder bereuen Sie es schon?
Antwort
Nein, das ist eine interessante Erfahrung. Es gibt keinen Grund, es zu
bereuen. Es ist einfach die beste Art und Weise eine Region, ein Land
kennen zu lernen, indem man sich auch beruflich engagiert. Ich bin schon
lange dagegen, nur Tourist zu sein; das ist wie window shopping und
deshalb ist es gut, einen Ausflug mit einer wissenschaftlichen Tätigkeit
zu verbinden
Frage
Durch Ihr Kommen haben Sie vielen Iranern Mut gemacht Ich habe auch
gesehen, während dem Kongress, auch später auf den Straßen, wurden Sie
häufig von jüngeren Menschen angesprochen. Welchen Eindruck haben Sie
von jungen Iranern und Iranerinnen?
Antwort
Beide, Jungen und Mädchen sind offensichtlich sehr neugierig, was ja
auch zu verstehen ist. Das Tor zur Welt ist ihr Handy, Mobilkontakte,
aber mit Sicherheit gibt es ein großes Interesse, deutsch und englisch
nicht nur im Kurs zu lernen sondern auch Deutsche und Engländer zu
treffen
Prof. Rüddel
Frage
Prof. Rüddel Sie gehören zum wissenschaftlichen Beirat und sind Berater
dieses Projektes und durch Ihr Kommen haben Sie eine wesentliche Rolle
bei diesem Kongress gespielt zur Mitgestaltung und haben Sie viele junge
iranische Kolleginnen und Kollegen im Iran mut gemacht. Meine Frage,
wie sind Ihre Eindrücke bei diesem Kongress gewesen, im Positiven und
Negativen?
Antwort
Ich habe mich sehr gefreut, hier in Isfahan bei diesem Kongress
teilnehmen zu dürfen. Ich hab sehr viel gelernt über Bedürftigkeit
junger Kolleginnen und Kollegen und insbesondere von den Studenten der
Medizin, die ich in Seminaren etwas näher kennenlernen konnte und für
mich ist deshalb ganz klar ein Urteil, ein ganz positiver Ansatz, der
fortgesetzt werden sollte und es gibt überhaupt keinen negativen Aspekt
Frage
Sie haben gesehen es gab auch Problem mit der Planung und dem
Workshopsräumen-Vertrag. Wie ist es insgesamt bei Ihnen angekommen,
obwohl es der erste Kongress war?
Antwort
Kleine winzige Sandkörner in einer Veranstaltung die keine negative Bedeutung hatten, für mich wenigstens nicht
Frage
Wir hatten etwa 500 Teilnehmer gehabt von verschiedenen Fachrichtungen
aus dem Iran. Ich habe gesehen, viele junge Iraner haben Sie
angesprochen, auch in Isfahan selbst, Sie haben mit vielen jungen
Iranerinnen und Iranern geredet. Was ist Ihr Eindruck von der jungen
Generation?
Antwort
Die sind sehr offen, wobei für mich noch zu prüfen ist, ob es Interesse
an einer echten Zusammenarbeit ist oder ob durchaus auch ein
Nebengedanke ist eine zeitlang in Deutschland arbeiten zu können. Das
kann ich noch nicht beurteilen, das wird sich in den nächsten Jahren
erst herausstellen. Ganz konkret habe ich mit verschiedenen Leuten zwei
mögliche wissenschaftliche Projekte der Zusammenarbeit besprochen und
die werden in den nächsten Monaten konkretisiert. Für mich erstaunlich,
alle haben Email, alle sind mit denen ich gesprochen habe, in
exzellenten Englischkenntnissen und gut mit modernen
Kommunikationsverfahren vertraut
Frage
Werden Sie beim nächsten Kongress, weil die Kolleginnen und Kollegen die
hier waren haben die Erfahrungen mitgemacht, auch wieder aktiv dabei
sein?
Antwort
Frage
Kollege C. von Widdern. Sie sind auch Referent hier und Ihr Workshop und
Vortrag wurde sehr gut von Ihren Kollegen hier aufgenommen. Was haben
Sie für Eindrücke hier, von Isfahan, Iran und dem Kongress?
Antwort
Zu viele Fragen auf einmal
Frage
Genau! Teilen wir, erst zum Kongress?
Antwort
Die große Offenheit der Studierenden und das Interesse. Die Themen
aufzugreifen und mit den eigenen Erfahrungen zu verknüpfen, hat mich
sehr angesprochen
Frage
Wie ist Ihr Gefühl im Iran, wie sehen Sie dieses Land und das Kommen der Psychosomatik, was für Vermutungen haben Sie?
Antwort
Ich vermute, dass es noch zu früh ist im Klartext zu sprechen sondern,
dass es wichtig ist erst einmal die Eindrücke der Zeit hier selber
sacken zu lassen und zu verarbeiten
Frage
Würden Sie auch beim nächsten Mal am Kongress teilnehmen und bei der Kongressentwicklung wie beim letzten Mal mitwirken?
Antwort
Ja, die Weiterentwicklung dieser Brücke zwischen Isfahan und Lüdenscheid oder zwischen Deutschland und Iran liegt mir am Herzen
Ich werde alles dran setzen um wieder hier teilnehmen zu können. Es bleibt ein ganz kleines Fragezeichen des Datums, nächstes Jahr der Mai ist für mich ein schwieriger Monat und ich wird mich freuen wenn möglichst früh das Datum des Kongresses sehr konkret feststeht. Dann sehe ich eine sehr große Chance, dass ich die Teilnahme realisieren kann
Frage
Was ist Ihre Botschaft zu deutschen Kolleginnen und Kollegen, die
wahrscheinlich beim nächsten Kongress mehr Präsenz als Referent oder
auch als Teilnehmer/in?
Antwort
Wir sollten einen ganz bunten Strauß spannender Workshops anbieten. Wir
sollten 1-2-3 herausgehobene Key-note-Presentationen durchführen, die
das Programmkomitee ausführlich aussuchen soll. Und wir sollten bei den
Vorträgen zu den Hauptthemen wert drauflegen, das wir in einen Austausch
kommen zwischen deutschen Kolleginnen und Kollegen lauschen den
iranischen Kolleginnen und Kollegen und die Iranischen lauschen uns
Deutschen. Also eine ausgewogene Mischung zwischen sehr vielen guten
Workshops, einigen zentralen Themen und einem Austausch. Wobei ich
persönlich anstreben würde in einem Workshop auch die
Ausbildungssituation von den Studierenden der Medizin in Deutschland und
im Iran vergleichend zu diskutieren. Wie wird Arzt-Patientenbeziehung
und wie wird psychosomatisches Denken in der Ausbildung der Studierenden
umgesetzt. Hier scheinen mir ganz spannende Ansätze im Iran zu sein
Frage
Wie ist das, werden Sie Mitglied dieses Organisationskomitee oder des Kongressorganisationskomitee sein?
Antwort
Eigentlich, nein. Wenn ich Mitglied des Organisationskomitees bin, wozu
ich bereit wäre, würde ich nicht Beiratsmitglied sein wollen. Ich halte
es wichtig Beirat und Organisationskomitee zu trennen. Wo ich am Besten
mithelfen kann, müssen Sie entscheiden
Frage
Noch eine Frage, die letzte Frage. Was würden Sie den persischen,
iranischen und deutschen Kollegen , mit denen Sie gesessen haben, welche
Botschaft würden Sie denen geben?
Antwort
Zunächst erst mal einen ganz herzlichen Dank für diese liebevolle
Betreuung und für die Unterstützung des ganzen Projektes. Ich würde für
die Planung anregen, dass für alle Workshops ein kurzer Text erstellt
wird, wo dargelegt wird was konkret im Workshop gemacht wird und was die
Teilnehmer davon profitieren würden. Und das wird ich sehr früh
verfügbar haben, ins Internet eingestellt werden, das die Teilnehmer die
mit wollen aus Deutschland aber insbesondere die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer aus dem Iran früh wissen auf was sie sich in den Workshops
einstellen können.
Bericht vom 1. Psychosomatik-Kongress an der Universität Isfahan im Iran vom 23. – 24.5.2007
Frage 1
Wie ist der Kongress gelaufen?
Antwort
Aus meiner Sicht als Teilnehmerin ist der Kongress organisatorisch gut verlaufen
Die Vorträge von deutschen und iranischen Referenten in Deutsch,
Englisch und Farsi mit den entsprechenden Übersetzungen von jeweils auch
Referenten waren informativ und zeigten den wissenschaftlichen Stand
und Behandlungsmethoden aufFrage 2
Wie war das wissenschaftliche Niveau?
Antwort
Für mich als Arbeitsmedizinerin, die immer mehr mit psychischen Problemen in der Arbeitswelt unserer Mitarbeiter konfrontiert wird, war die Darstellung, die Behandlung und letztendlich das Ergebnis von vorgestellten Fällen wichtig, d.h. die ganz „handfeste“ medizinische Vorgehensweise. Und davon konnte ich bei diesem Kongress lernen und für meine alltägliche Arbeit profitieren. Ich bin zwar Fachärztin auf drei Gebieten, da ich jedoch keine Neurologin bzw. Psychiaterin bin, kann ich das wissenschaftliche Niveau, das sich international darstellt, nicht im Detail beurteilen. Ich kann nur für mich, für meine Arbeit, sagen: Ich habe dazu gelernt
Frage 3
Wie waren die Rahmenbedingungen?
Antwort
Als Teilnehmerin dieses Kongresses kann ich berichten, dass die Rahmenbedingungen hervorragend waren, was sowohl die unmittelbaren Kongressinhalte betraf, als auch die Betreuung der deutschen Teilnehmer, u.a. durch deutschsprachige iranische Studentinnen
Frage 4
Welche Eindrücke haben die deutschen Kongressteilnehmer mitgebracht?
Antwort
Ich habe mich für den Kongress angemeldet, da ich sehr neugierig auf die
Vorträge der iranischen Referenten war. Wie wird im Iran mit dem
Begriff „Psychosomatik“ umgegangen, wie werden psychosomatisch kranke
Patienten behandelt? Wurde diese Problematik Hier hätte ich mir noch
mehr Information über die praktische Arbeit mit psychosomatisch
gestörten Patienten gewünscht
Ich bin in den Iran gefahren mit dem Vorurteil, ein tristes Land ohne
Lebensfreude zu besuchen. Da es keine aktuellen Reisebücher über den
Iran gibt, habe ich mir über das Internet Informationen über Isfahan
besorgt und wusste, dass diese große, alte Kaiserstadt in der Mitte des
Iran, in der Wüste liegt, von Bergen umgeben ist, von einem großen Fluß
durchtrennt wird, ca. 400 km südlich von Teheran und etwa 1 500 Meter
über dem Meeresspiegel liegt. Isfahan ist eine Millionenstadt, nach dem
Stand von 2000 hat die Provinzhauptstadt über 2 Millionen Einwohner
Isfahan hat alle meine Vorurteile über Bord geworfen. Es ist eine Stadt
voller Sehenswürdigkeiten mit Prachtmoscheen, mit einem Basar, der
Weltkulturerbe der UNESCO ist, mit alten Brücken für Fußgänger, mit
Teehäusern mitten im Fluss und Tretbooten in Schwanenform. Eine Stadt
mit vielen Parks und Brunnen mit Wasserspielen, Kinderspielplätzen,
vielen Blumenanlagen und Bäumen, die öffentlichen Verkehrsmittel = Busse
sind alle mit Blumen- und Tiermotiven bemalt. Auf dem großen
Basar-Platz mit seinen wunderschön angelegten Wasserbassins kann man
Pferdedroschken für eine Stadtrundfahrt mieten – wie in Wien am
Stephansdom. Doch das Wichtigste, das ich erleben durfte, waren die
Menschen. Ich musste natürlich auch ein Kopftuch und eine etwas längere
Jacke tragen, was aufgrund der Temperaturen von ca. 30° nicht besonders
angenehm war, doch fiel ich sofort als Ausländerin auf. Und so viele
Menschen sprachen mich an, woher ich käme und wie mir Isfahan gefiele,
wie ich die politische Situation des Landes beurteile. Dies hat mich
besonders berührt, dass die Menschen auch ganz offen ihre politische
Einstellung offenbarten – pro und kontra für bzw. gegen ihre Regierung –
mir, einer Ausländerin. Doch die Aussage: ich komme aus Deutschland,
wirkte wie ein Auslöser. Deutsche sind im Iran, zumindest nach meiner
kurzen Erfahrung in Isfahan , sehr beliebt
Was ich auch erstaunlich fand: Coca-Cola gab es überall zu kaufen. Und
auf dem nationalen Flughafen in Teheran konnten die wartenden Fluggäste
auf einem großen Bildschirm Comics von Tom und Jerry sehen.
Frage 5
Wie sind die Eindrücke der Referenten aus Deutschland?
Antwort
Hier muß ich passen, ich war keine Referentin, sondern Teilnehmerin, aber mein Eindruck war ausgesprochen positiv
Frage 6
Wie sind Übernachtungsmöglichkeiten?
Antwort
Ich kenne nur ein Hotel in Isfahan: Das Abbasi Hotel, in dem ich wohnte
Das Hotel Abbasi ist eine frühere Karawanserei aus dem 17. Jahrhundert,
mit prunkvoller Innenausstattung, einem wunderschön angelegten Garten
mit Teehaus und Restaurant. Ich war in meinem Leben in insgesamt 37
Ländern: Ich kenne kein schöneres Hotel und hatte auch illustre
Vorgäste, die sich im Abbasi schon einquartiert hatten: So z.B. die
Queen, Indira Gandi, die Könige von Spanien und Belgien und
Ministerpräsidenten aus vielen Ländern. Das Hotel liegt auch nur ca. 25
Gehminuten vom Imman-Platz, der zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt mit
seinen Prachtmoscheen und dem Basar, entfernt. Auch der imposante
Goldbasar mit seinen vielen kleinen Geschäften ist nur 10 Gehminuten
entfernt
Ich war begeistert, in diesem herrlichen Hotel mitten in der Altstadt
wohnen zu können. Es waren von Herrn Dr. Moshref und seiner Frau auch
Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Universitätsgelände in Erwägung
gezogen worden. Ohne diese zu kennen (die Universität ist auch etwas
außerhalb) war ich sehr froh, dass ich im Abbasi Hotel einquartiert
wurde. Das Doppelzimmer mit Frühstück kostete als Normalpreis 141,–
US-Dollar + 17 % Steuer + 3 % Bedienungssteuer. Dank der Vermittlung von
Frau Moshref, die u.a. auch die Unterbringungsmöglichkeiten organisiert
hatte, belief sich der Endpreis für ein Doppelzimmer mit Frühstück für
Kongressteilnehmer auf 142,– US-Dollar. Und das war es auch wert! Ein
wunderschönes Hotel, ein Traum von 1001 Nacht, mitten in der Stadt, so
viele Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erreichen. Ich kann es nur empfehlen!
Frage 7
Wie ist das Essen?
Antwort
Nur eine Antwort: Hervorragend! Wir haben als Gruppe in Restaurants, die wir Europäer als „gehoben“ bezeichnen würden – wie z.B. das Shahrzad Restaurant – gegessen, wie auch in traditionellen iranischen Restaurants, wo es keine Stühle gibt, sondern man sitzt einen halben Meter hoch auf einem mit Teppichen und Sitzkissen ausgelegten Holzplatz für 4 oder mehr Personen. In die Mitte wird dann eine Tischdecke gelegt, dort wird das Essen in Schüsseln serviert, man sitzt mit gekreuzten Beinen oder auf den Unterschenkeln – so man kann! Ohne die Hilfe von Dr. Moshref und von Kollegen, die aus dem Iran stammen, aber seit vielen Jahren in Deutschland praktizieren, hätten wir Deutsche große Schwierigkeiten gehabt, an Essen zu gelangen, da es einmal gar keine Speisekarte gab und wenn doch, wir Farsi nicht lesen konnten. Das Essen war immer interessant, was mag das wohl sein?: Geschmeckt hat es immer
Frage 8
Wie sind die Preise?
Antwort
Die Preise für Essen und Trinken sind – gemessen an deutschen
Preisen – günstig. Ein (gutes!) Essen kostet zwischen 4,– und 5,– Euro.
Auch der ausgezeichnete Tee mit dem Krokantzuckerblatt – schmeckt auch
als Süßigkeit hervorragend – ist nicht teuer – den Preis habe ich jetzt
nicht mehr in Erinnerung. Jedoch, wenn er überteuert gewesen wäre,
wüsste ich dies sicherlich noch
Sowohl im Goldbasar als auch im großen Basar auf dem Imman-Platz sind
die Preise im Vergleich zu Deutschland günstig – wobei man auch bei
allem freundlichem Handeln sowohl dem Händler als auch sich selbst als
Käufer die Möglichkeit des „Gesichtswahrens“ geben sollte. Dabei ist man
als Käufer immer der Verlierer – wie dann ein Einkauf in einem normalen
Geschäft in einer Geschäftsstraße erkennen lässt. Doch das Einkaufen
auf dem Basar ist ein Erlebnis, macht Spaß, auch das Verhandeln mit dem
Händler, die nach meinen Beobachtungen auch ihren Spaß beim Verhandeln
mit Europäern hatten
Nach meinen Erfahrungen kann man fast überall mit Euro bezahlen, dies
wird sogar noch lieber akzeptiert als US-Dollar. Der Umtausch in die
iranische Währung Toman ist jedoch empfehlenswert, da manche Geschäfte
und Restaurants die Bezahlung in iranischer Währung verlangen. Wundern
Sie sich nicht, wenn Sie dann bei einem Umtausch von 100 Euro den
Gegenwert nicht mehr in Ihr Portmonnai bekommen. Der jetzige Umtausch
ist etwa 1:1100 Toman. Die gängigen Scheine im Iran sind 1000 oder
2000-Toman-Scheine
Abschließendes Resümee: Ich bin sehr froh, dass ich diese Kongressreise mitmachen konnte. Obwohl ich eine Woche nur eine einzige, aber wunderschöne, an geschichtlichen Gegebenheiten reiche Stadt, die Stadt Isfahan, besuchte, habe ich viele Vorurteile über Bord geworfen. Politik ist Politik, Menschen sind Menschen. Ich kann ermuntern, diese eigenen Erfahrungen zu machen und eine wunderschöne, interessante Stadt mit liebenswerten Menschen zu besuchen – und fachlich habe ich auch noch dazu gelernt
Dr. Christa Hartländer
Leiterin des Zentrums für Arbeitsmedizin
Märkische Kliniken GmbH Lüdenscheid
Prof. Traue
Frage
Professor Traue. Sie sind jetzt bei diesem Kongress gewesen . Sie
gehören zum wissenschaftlichen Beirat dieses Projektes. Ich würde gerne
wissen, wie Ihre Eindrücke sind, hier beim Kongress und hier im Iran, in
Isfahan?
Antwort
Isfahan eine sehr interessante Stadt, eine sehr grüne Stadt, mit
bemerkenswerter Architektur und Gebäuden. Wir wohnen in einem
wunderbaren Hotel. Das Abbasi-Hotel ist ein orientalischer Traum – das
schönste Hotel, in dem ich je war Die Tagung selber betrachte ich als
Anfang eines wissenschaftlichen Austauschs zwischen den Kolleginnen und
Kollegen hier in Isfahan im Iran und aus Deutschland. Eine erste
Begegnung, eine gegenseitige Vorstellung von Ideen, von Konzepten über
das Zusammenwirken von psychischen und somatischen Vorgängen. Davon
konnten wir uns einiges hier gegenseitig vermitteln und auch an die
Kolleginnen und Kollegen weitergeben, die mit diesen Konzepten nicht
immer vertraut waren. Wir aus Deutschland haben auch gesehen, dass hier
in Isfahan interessante Forschung gemacht wird und wichtige Konzepte zur
Psychosomatik vorliegen. Mich hat aber auch gewundert, dass sich die
Ärzte und Psychologen von hier nicht für Forschungen aus ihrer eigen
Reihen interessiert haben. Da haben sie was verpasst
Frage
Ich habe gesehen, sie sind häufig von jungen Iranerinnen und Iranern
angesprochen wurden und welchen Eindruck haben Sie von dieser jungen
Generation hier im Iran?
Antwort
Der erste Eindruck ist, dass sie sehr offen sind, dass sie teils deutsch
sprechen oder englisch, manchmal nicht perfekt, aber man kann
miteinander reden. Die jungen Leute sind neugierig und wissbegierig. Sie
möchten auch gerne wissen, was man über den Iran denkt, das Land und
die Menschen hier. Man kann sehr schnell mit ihnen ins Gespräch kommen
Prof. Tress
Frage
Prof. Tress, mit Ihrem Kommen haben Sie vielen Iranern große Hoffnung
gemacht. Sie haben einen sehr interessanten Vortrag und Workshop geboten
über schwere Persönlichkeiten und Thema Psychosomatik. Was haben Sie
für Eindrücke vom Kongress?
Antwort
Das die Menschen und Kollegen hier an psychosomatischen Fragestellungen
sehr interessiert sind, sehr aufmerksam zugehört haben und ich hatte
auch den Eindruck, dass viele ihre eigenen persönlichen Schicksale in
Beziehung setzen zu dem was in den Vorlesungen referiert wurde
Frage
Sie haben beim Kongress auch viele junge iranische Kolleginnen und
Kollegen gesehen und wurden auch von denen angesprochen, dies habe ich
auch in der Stadt Isfahan gesehen. Welchen Eindruck haben Sie von der
jungen Generation im Iran?
Antwort
Vor allem bin ich erstaunt wie viele junge Menschen es hier gibt, im
Vergleich zu Deutschland, eine ganz große Gruppe der Bevölkerung, die
einen sehr aufgeschlossen und einen sehr interessierten und durchaus
lebenshungrigen Eindruck macht. Die viel von der Welt erfahren möchten
und auch sehen möchten
Frage
Sie sind gewählt zum wissenschaftlichen Beirat und Berater unserer
Projekte. Sie haben eine wesentliche Rolle gespielt durch Ihre
Weisheiten und Empfehlungen. Ich hätte gerne von Ihnen gehört, werden
Sie auch im nächsten Jahr persönlich bei diesem Kongress sein und bei
der Gestaltung für den nächsten Kongress, wie dieses mal, aktiv
mitwirken?
Antwort
Ich weiß noch nicht, ob ich persönlich dies im nächsten Jahr einrichten
kann. Ich werde aber gerne bei der Gestaltung mit beraten und mein
hauptsächlicher Vorschlag und meine Empfehlung ist, hier Vorort ein
Kongressbüro einzurichten, damit die Ärzte und Therapeuten in der
Umgebung von diesem wichtigen Ereignis informiert sind und schon lange
im Voraus ihre Teilnahme gezielt planen können
Frage
Prof. Tress, wie sollen die Fortbildungen gestaltet werden?
Antwort
Wissenschaftliche Kongresse und Weiterbildungsveranstaltungen können
nicht nur im Frontalunterricht laufen, sondern Rückmeldung und Dialog
zwischen Teilnehmern und Dozenten sind erforderlich für einen
erfolgreichen Lernprozess. Auch muss die hiesige Bevölkerung vielleicht
noch das Wesen eines Workshops kennen lernen und wie eine solches
Unterrichtsprogramm zu gestalten ist und genutzt werden kann
Prof. Stuhr
Frage
Prof. Stuhr Sie sind jetzt seit ungefähr einer Woche hier in Isfahan,
Sie haben am Kongress teilgenommen. Ich würde gerne wissen was sind Ihre
Eindrücke bei diesem Kongress im Iran
Antwort
Der wichtigste Eindruck war gestern im Workshop, wo nach dem großen
Vortrag eine Studentin zu mir kam und fragte was sie mit ihren Problemen
machen kann, eine Therapie? Dann haben wir eine Supervision mit der
Frau gemacht und haben zusammen herausgefunden, dass auch in Teheran
oder Isfahan eine Supervision ständig notwendig wäre und eine Ausbildung
zur Psychotherapeutin etabliert werden müsste
Frage
Sie sind häufig von jungen Iranern angesprochen worden, während des
Kongresses und auch später in der Stadt habe ich es gesehen. Iran ist
ein Land mit viel junger Generation. Was haben Sie für einen Eindruck
von jungen Iranerinnen und Iranern?
Antwort
Es war eine Gastfreundschaft und auch der Versuch wissbegierig zu sein.
Ich glaube die Menschen sind hier sehr offen, weil sie lernen wollen.
Auch wollen sie lernen wie man mit seelischen Problemen umgeht. Gestern
war ich in der Stadt, da habe ich einen jungen Mann kennengelernt, der
mir sofort erzählt hat, was er für Probleme hatte und eine Therapie
brauchen würde. Also ich weiß nicht, wie die Versorgung hier in Isfahan
wirklich läuft, aber er brauchte was
Frage
Würden Sie im nächsten Jahr auch am Kongress teilnehmen, wahrscheinlich in Isfahan oder in Schiras?
Antwort
Sehr gern. Ich würde auch mit planen am Programm
Dr. Cardinal von Widdern
Frage Kollege C. von Widdern. Sie sind auch Referent hier und Ihr Workshop und Vortrag wurde sehr gut von Ihren Kollegen hier aufgenommen. Was haben Sie für Eindrücke hier, von Isfahan, Iran und dem Kongress? Antwort Zu viele Fragen auf einmalFrage Genau! Teilen wir, erst zum Kongress? Antwort Die große Offenheit der Studierenden und das Interesse. Die Themen aufzugreifen und mit den eigenen Erfahrungen zu verknüpfen, hat mich sehr angesprochen
Frage
Wie ist Ihr Gefühl im Iran, wie sehen Sie dieses Land und das Kommen der
Psychosomatik, was für Vermutungen haben Sie?
Antwort
Ich vermute, dass es noch zu früh ist im Klartext zu sprechen sondern, dass es
wichtig ist erst einmal die Eindrücke der Zeit hier selber sacken zu lassen und
zu verarbeiten
Frage
Würden Sie auch beim nächsten Mal am Kongress teilnehmen und bei der
Kongressentwicklung wie beim letzten Mal mitwirken?
Antwort
Ja, die Weiterentwicklung dieser Brücke zwischen Isfahan und Lüdenscheid oder
zwischen Deutschland und Iran liegt mir am Herzen
Zweite Psychosomatik-Kongress
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„ Zweite Psychosomatik-Kongress “ an der Universität Isfahan, 7.-9. Mai 2008 |
Dr. Abass Abtahi, Fachklinik Schloz
Vortrag: Frauenspezifische Therapiekonzepte in der Suchttherapie, Multiprofessionelle konzeptionelle Arbeit
Workshop 1: Transkulturelle Balintarbeit
Workshop 2: Hypnotherapeutische Methoden in der Suchtherapie
Dr. Egbert Cardinal von Widdern, Klinikum Lüdenscheid (ATH, Uni. Bonn)
Vortrag & Workshop: Psychosoziale Stressoren in der Behandlung multimorbider dementer Menschen,
Prof. Dr. Y. M-Goudarzi, Berlin
Vortrag & Workshop: Evaluierung einer posttraumatischen Belastungsstörung bei den Patienten nach einem Polytrauma
PD. Dr. Dr. Norbert Grulke, Luisenklinik Bad Dürrheim, Uni. Ulm
Vortrag & Workshop: Bringing bad and sad news: Doctor-patient-relationship on cancer patients
Prof. Dr. Ulrike Halsband (D. Phil., Oxon), Universität Freiburg
Vortrag & Workshop: Plasticity changes in the brain in hypnosis and
meditation-implications for psychotherapyM. Reza Jarrahi, Dipl-Psych.,
Emmaburg-Klinik Bad Laasphe
Workshop: Darstellungspraxis der positiven Psychotherapie in schwierigen Therapiesituationen
Prof. Dr. Horst Kächele, Universität Ulm
Dr. Saied Pirmoradi, Universität Isfahan
Vortrag & Seminar: Grundelemente psychoanalytischer Psychotherapie
Dr. Jan Ilhan Kizilhan, University Freiburg
Vortrag & Workshop: Treatment and care of Patient with diffuse pains – in
trans-cultural approach
Prof. Dr. Wolfgang Larbig, Universität Tübingen
Vortrag : Transkulturelle Untersuchungen religiöser Schmerzrituale in Griechenland und Sri Lanka und Laborexperimente – Konsequenzen für eine interdisziplinäre Schmerzbehandlung
Workshop: Transkulturelle Untersuchungen religiöser Schmerzrituale in Griechenland, Sri Lanka und Laborexperimente – Konsequenzen für eine interdisziplinäre Schmerzbehandlung
Dr. Mohsen Maroufi, Isfahan University of Medical Sciences
Lecture & Workshop: Psychosomatic diseases and somatoform disorders
Angelika Mies, Dipl.-Psych., Dr. v. Ehrenwall‘sche Klinik Ahrweiler -
Vortrag: Die Nutzung der „Szenischen Darstellung“ als effektive psychotherapeutische Methode und ihre Entwicklungsgeschichte
Workshop 1: Die Nutzung der „Szenischen Darstellung“ als effektive psychotherapeutische Gruppenmethode
Workshop 2: Methoden der „Szenischen Darstellung“ in der Einzeltherapie
Dr. Said Moshref Dehkordy, Klinikum Lüdenscheid (ATH, Uni. Bonn)
Emmaburg-Klinik Bad Laasphe
Vortrag: Entwicklung der Psychosomatischen Medizin in Orient und Okzident
Workshop: Warum scheitern die Schmerztherapien oft ?
Dipl. Päd. Farid Mosharaf Dehkordi, Universität Frankfurt
Workshop: Die bedeutsame Rolle der Entspannungsverfahren bei Patienten
mit chronischen Schmerzen
Dr. Peter Rosenthal, Klinikum Lüdenscheid (ATH, Uni. Bonn)
Vortrag: Stress- und Stressfolgeerkrankungen, posttraumatische Belastungsstörungen
Workshop: Stress und Stressfolgeerkrankungen, posttraumatische Belastungsstörungen
Prof. Dr. Heinz Rüddel, Psychosomatische Fachklinik St. Franziska-Stift,
Bad Kreuznach
Vortrag: Psychosomatische Diagnostik im Krankenhaus von der Theorie zur Praxis
Workshop: (Prof. Dr. Heinz Rüddel & Dr. F. Amani): Erfassung von Teilhabestörung in der Psychosomatik
Erika & Alar Sander, Dr. v. Ehrenwall‘sche Klink Ahrweiler
Vortrag: Einführung in die Tanz – und Ausdruckstherapie
Workshop: Tanz – und Ausdruckstherapie
Prof. Dr. Carl-Eduard Scheidt, Universitätsklinikum Freiburg
Vortrag: Psychosomatische Grundversorgung im interkulturellen Kontext Erfahrungen aus dem Asia-Link Projekt
Workshop: Somatoforme Störungen in der Primärversorgung
Dr. Stefan Schriml, Klinikum Lüdenscheid (ATH, Uni. Bonn)
Vortrag & Workshop: Komplementärmedizinische Verfahren in der Behandlung
psychischer und psychosomatischer Störungen
Prof. Dr. Ulrich Stuhr, Universität Hamburg
Workshop: Supervision-Gruppe
Prof. Dr. Wolfgang Tress, Universität Düsseldorf
Vortrag: Was ist psychosomatische Grundversorgung (PG) ?
Workshop: Praxis der psychosomatischen Grundversorgung
Dr. Renate Weihe-Scheidt, Freiburg
Vortrag & Workshop: Depression und Familie
Prof. Dr. Jörn Wietersheim, Universität Ulm
Vortrag: Psychische Aspekte bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Workshop: Essstörungen (Anorexia nervosa, Bulimia nervosa)
Interdisziplinäre Medizin
Dr. P. Adibi, Isfahan of Medical Sciences
Vortrag & Workshop: N.N.
Prof. Dr. R. Malekzadeh, Tehran University of Medical Sciences
Vortrag & Workshop: N.N
Dr. Mohsen Maroufi, Isfahan University of Medical Sciences
Vortrag: What is differences between Psychosomatic disease and Somatoform disorders
Hon.Univ.Professor. Dr. Alireza Ranjbar, Bonn
Vortrag & Workhop: The influence of the psyche on immunity and disease susceptibility
Abstarcts / Workshops (Kongress 2008)
Dr. Abass Abtahi, Fachklinik Scholz , Freudenstadt
Workshop: Hypnotherapeutische Methoden in der Suchttherapie
In diesem Workshop möchte ich die
Erickson’schen Hypnotherapietechniken, die wir in den letzten Jahren in
der Fachklinik Schloz entwickelt und angewendet haben, demonstrieren,
insbesondere die Rückfallanalyse und heilsame Wirkung der Metaphern
stehen im Vordergrund. Die zwei zentralen Annahmen Erickson’s sind –
dass jeder Mensch ein unverwechselbares Individuum darstellt und dass
dem Menschen Veränderung weniger durch Einsicht als durch Erfahrung und
Erleben möglich ist. – dass die Verhaltensmuster eines Menschen immer
sinnvoll sind, bzw. immer sinnvoll waren, und daher als eine mögliche
Lösung gewürdigt werden müssen Dies verlangt von den TherapeutInnen,
dessen Modelle der Wirklichkeit anzunehmen und in die therapeutische
Arbeit zu integrieren. Entsprechend dieser Annahmen werden
unterschiedliche Techniken benötigt Aufgrund Nutzung bzw. Utilisation
von Persönlichkeit, Geschichte und Realität des Klienten wird
Erickson’sches Vorgehen auch Utilisationsansatz genannt Rückfallanalyse
in der Hypnose: Im Rahmen der Gruppenbehandlung werden mit Hilfe
hypnotherapeutischer Techniken wie Altersprogression und –regression,
Ängste oder Konsequenzen erfolgreichen Handelns deutlich, was eine
Umorientierung von externen auf interne Einflussfaktoren fördert. Im
Trancezustand aktivieren die Klienten ihre Gedächtnissysteme, um die
Hintergründe ihres Rückfalles aufzudecken. Anhand neu gewonnener bzw.
bewusst gewordener Informationen werden in Trance neue Alternativen und
Lösungen für die Zukunft gesucht und entwickelt. Die Klienten lernen,
störende und überwältigende Affekte zu dissoziieren sowie nicht
zugängliche Gefühle zu reintegrieren. Sie erleben, dass sie ihre eigenen
Körperreaktionen positiv beeinflussen können und sie erleben ihren
Körper als Ressource ______________________________________________
Dr. Egbert Cardinal von Widdern, Klinikum Lüdenscheid (ATH, Uni. Bonn)
Vortrag & Workshop: Psychosoziale Stressoren in der Behandlung multimorbider, dementer Menschen
Anspruchsvolle, umfangreiche Arbeit mit
wenigen Händen bewältigen zu müssen, kennzeichnet den Arbeitsalltag der
meisten Berufsgruppen, die sich der Behandlung multimorbider, dementer
Menschen stellen Der Mangel an Zeit für die Pflege und Betreuung
verursacht emotionale Spannung bei den Professionellen und gleichzeitig
reagieren die betreuten Menschen hochsensibel auf den nonverbalen Anteil
jeder Begegnung und Kommunikation. Verhaltensauffälligkeiten,
Desorientierung, Schlafstörungen und Aggressivität verstärken sich: Ein
Circulus vitiosus zunehmenden psychosozialen Stresses kommt in Gang und
wirkt sich negativ auf die Mitarbeiter und deren Behandlungserfolg aus.
In Deutschland ist häufig der erste Reflex auf Qualitätsmängel ein Ruf
nach rationaler Strukturierung. In Manualen werden dann Anforderungen
der Prozess- und Ergebnisqualität beschrieben –der Anspruch an die
Arbeitskräfte wird noch deutlicher, die Diskrepanz zwischen Anspruch und
gelebter Wirklichkeit erhöht den Druck Unsere Arbeitsgruppe hat sich
innerhalb dieser Rahmenbedingungen entwickelt: Moderne Erkenntnisse der
Neurowissenschaften und uralte Prinzipien der Heilkunde werden
gleichermaßen genutzt. Die wissenschaftlich fundierte Methode legt
größten Wert auf Feedbackschleifen. Jede Antwort auf Handlungen und
Schritte der Professionellen lassen wir systematisch in die
Alltags-Abläufe einfließen. Innerhalb der gegebenen Grenzen erschließen
sich so bisher unentdeckte, vorhandene Ressourcen bei Mitarbeitern und
den multimorbiden, dementen Menschen.Besonders wertvoll in dieser
sytemischen Arbeit sind daher interessierte Fragen, die einem anderen
Kontext entstammen: Die transkulturelle Perspektive aus Isfahan 2007 hat
gute Impulse gesetzt. Wir freuen uns daher auch auf die diesjährige
Mitwirkung der Zuhörer des Kongresses
_________________________________________________
Prof. Dr. Y. M – Goudarzi,
Berlin
Vortrag & Workshop: Evaluierung einer posttraumatischen Belastungsstörung bei den Patienten nach einem Polytrauma
Trauma wird als eine körperliche
Verletzung bzw. Wunde definiert. Der Begriff „Polytrauma“ definiert eine
Mehrfachverletzung d.h. gleichzeitig entstandene Verletzungen
verschiedener Körperregionen, von denen mindestens eine oder die
Kombination mehrerer vital bedrohlich ist. Das Unfalltrauma kann neben
den körperlichen Verletzungen auch zu psychosomatischen Störungen
führen. Diese wirken sich häufig nach Unfällen negativ auf die Heilungs-
und Rehabilitationsverläufe aus. Um eine Chronifizierung psychischer
Auffälligkeiten nach einem Polytrauma zu verhindern, sollten psychische
Reaktionen und Aspekte auch nach körperlicher Polytraumatisierung
angemessen berücksichtigt werden. Die Früherkennung der
psychosomatischen Störungen ist die Vorraussetzung für eine mögliche
psychologische Frühintervention Anhand einer retrospektiven
Follow-up-Studie wurde bei 150 Polytrauma-Patienten (Verkehsunfälle,
Arbeitsunfälle etc.) der unfallchirurgischen Abteilung der
Universitätsklinik Charité Campus Virchow-Klinikum Berlin die
Prävalenzrate der posttraumatischen Belastungsstörung 3 Jahre und 10
Monate nach dem Unfallereignis ermittelt. 81 Patienten, die eine
Nachuntersuchung einwilligten, wurden in die Auswertung
eingeschlossen.Verschiedene Erhebungsverfahren zur Erfassung des
Gesundheitszustandes und zur Sicherung der Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung = PTBS = posttraumatic stress
disorder PTSD kamen zur Anwendung, von denen ich hier den PTSS 10, die
IES und den TTG nennen möchte. Der PTSS 10 ist ein Fragebogen der die
verschiedenen Symptome des PTBS abfragt und zugleich deren Ausprägung
feststellt.Der IES (Impact of event scale) fragt nach dem traumatischen
Symptomtrias hyperarousal, Intrusionen und Verdrängung, Verlegung und
deren Ausprägung. Der TTG ist ein teilstrukturiertes interveniertes
Interview, das trauma-relevante Informationen abfragt. 40,74 % (n = 33)
der teilnehmenden Patienten (ngesamt = 81) zeigten als Unfallfolge keine
posttraumatische Belastungsstörung (PTBS bzw. PTSD). 34,57 % (n = 28)
hatten eine partiell ausgeprägte PTBS bzw. PTSD. 24,69 % (n = 20)
erfüllten die Kriterien für das Vollbild einer PTBS bzw. PTSD. Bei
Polytrauma-Patienten ist die Prävalenz an PTSD-Erkrankungen zu hoch.
Diese Patientengruppe leidet signifikant häufiger unter Depressionen und
dissoziativen Symptomen und einer Verschlechterung der Lebensqualität.
Die frühe Beachtung psychopathologischer Symptome bei Patienten nach
einem Polytrauma ist von entscheidender Bedeutung und sollte Anlass sein
zu einer frühzeitigen psychiatrisch-psychotherapeutischen
.konsiliarischen Untersuchung bereits während des Aufenthaltes in einer
Unfallabteilung _____________________________________________
Prof. Dr. Ulrike Halsbad, Üniversität Freiburg
Vortrag & Wokshop: Plasticity changes in the brain in hypnosis and meditation – implications for psychotherapy
Plasticity changes in neuronal activity
occur after hypnotic trance induction and in practicioners of
meditation. Using positron emission tomography (PET), functional
magnetic resonance imaging (fMRI) and electroencephalography (EEG)
changes in brain activity were invastigated in altered states of
consciousness The aim of the first study was to use O-15 water PET to
look at differences in cerebral activation patterns associated with
verbal memory processing of high-imagery words (e.g. monkey-candle)
under hypnosis and in the waking state. Results indicate that learning
and memory of high-imagery word pairs under hypnosis are associated with
more pronounced bilateral activation in the occipital cortex and
prefrontal areas as compared to the waking state. On the behavioral an
improved learning performance of word-pairs with high imagery content
was found in visual and auditory modalities under hypnosis. Hypnosis is
reminiscent of mental imagery. In contrast, the ability to retrieve
abstract word (pairs strongly decreased when encoding took place in
hypnotic trance (Halsband, 2006 In a separate experiment we modeled
functional connectivity changes underlying visual illusion. Based on the
experimental paradigm developed by Kosslyn et al. (2000) subjects were
instructed to perceive visual illusions in hypnosis and in the waking
state. Changes in rCBF were measured with fMRI. Data were analysed with
Granger Causality Mapping. Results under hypnosis indicate changes in
the effective connectivity relations of fusiform gyrus, anterior
cingulate cortex and intraparietal (sulcus (Otto et al., submitted Using
EEG, we most recently compared within the same subject changes in brain
activity during hypnosis as compared to meditation. The highly
hypnotisable subject has been a practicioner of Tibetan Buddhist
meditation for more than 18 years on a daily level. EEG was analysed
with Fast-Fourier spectral analyses by means of power spectra and power
values. In both experimental conditions (meditation and hypnosis) higher
amplitudes in alpha frequency bands were recorded as compared to the
baseline condition (waking-rest). Findings were most pronounced under
meditation at frontal (F3, Fz, F4, F7, F8) positions. Interestingly,
under deep hypnosis a highly significant increase in theta amplitudes
was recorded in the frontal cortex but not under meditation. The
neurophysiological approach revealed that meditation and hypnosis share
common components, but there is also evidence (for distinct neural
correlates (Halsband, 2008; Halsband et al., to be submitted Taken
together, the findings advance our understanding of the neural
mechanisms that underlie hypnosis and meditation. Results have
therapeutic implications. Excellent learning progress in hypnotic trance
can be obtained with polysensory mental imaging techniques; Buddhist
meditation seems to be accompanied by focused internalized attention
______________________________________________
Dipl. Psych. Reza Jarrahi, HGC kliniken, Emmaburg Klinik, Bad Lassphe
Workshop: Darstellungspraxis der positiven Psychotherapie in schwierigen Therapiesituationen
Inhalt: Transkulturelle Psychotherapie:
Positive Psychotherapie und die Fünfstufe der Kommunikation zwischen
Therapeut-Patient Es wurde seit paar Jahren die transkulturelle
Psychotherapie notwendig: Unsere Welt und die Menschen sind nicht von
einer Globalisierung und Entstehung der multikultureller Gesellschaften
schon geblieben, diese haben die Entwicklung und die Berücksichtigung
neue Ansätze in der Medizin und Psychotherapie Notwendig gemacht. Diese
Notwendigkeiten hatten zur Folge, dass z. B. die Kultur nun eine
wesentliche Rolle in der therapeutischen Konzepte spielt und die
kulturellen Aspekte werden in unserer therapeutischen Arbeiten vermehrt
einbezogen Seit 1904 bei der Entstehung der Zweig der transkulturellen
Psychiatrie durch Emil Kraeplin wurde die weitere Entwicklung in diesem
Bereich sehr schleppend und langsam fortgesetzt. Aufgrund eines
zunehmenden therapeutischen Interesses aus oben genannten Gründen an
transkulturellen Fragestellungen hat die positive Psychotherapie sich
mit der transkulturellen Psychotherapie befasst und neue Konzepte
entwickelt. Ziel der positiven Psychotherapie ist die kulturellen
Antworten auf die Sinnfrage, aber auch die Erkenntnis wie die
individuelle Kompromissbildung Der Begründer Hr. Prof. N. Peseschkian,
der 1933 im Iran geboren und seit 1954 in Deutschland lebt, basiert
seiner Therapierichtung auf der Basis seiner persönlichen Erfahrungen.
Nach seiner Auswanderung in Deutschland stellte er fest, dass viele
Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Einstellungen in Abhängigkeit vom
Kulturkreis unterschiedlich bewertet werden, was oft zu
Missverständnissen führt. Die Erfahrungen (aus der östlichen und
westlichen Kulturen) und dazugehörige Überlegungen führten ihn dazu, den
Menschen nicht nur als isoliertes Einzelwesen zu begreifen, sondern
seine zwischenmenschlichen Beziehungen berücksichtigen. Die positive
Psychotherapie vertritt die Meinung, dass die jeder Mensch sowie die
Störungen mitbringen, ist in Lage zur Gesundung beizutragen.
Entsprechend diesem Menschenbild und Denkansatz kommt in der positiven
Psychotherapie die Berücksichtigung der zukunftsorientierten
progressiven Vorgehensweise und nicht die regressive Betrachtungsweise
Die positive Psychotherapie unter der Berücksichtigung der
transkulturelle Gesichtspunkt ist wichtig, da dieses Aspekt auch
Material zum Verständnis individueller Konflikte bietet. Darüber hinaus
besitzt dieser Aspekt eine außerordentliche soziale Bedeutung:
Gastarbeiterprobleme, Probleme der Entwicklungshilfe, Schwierigkeiten,
die sich im Umgang mit Mitgliedern anderer kultureller Systeme ergeben,
Probleme transkultureller Ehen, Vorurteile und ihre Bewältigung,
Alternativmodelle, die einem anderen kulturellen Rahmen entstammen. In
diesem Zusammenhang können auch politische Themen angesprochen werden,
die sich aus der transkulturelle Situationen ergeben.
Methode: Positive Psychotherapie: Darstellung von 4 Qualitäten des
Lebens, 5 Stufen der Konfliktverarbeitung und statistischen
Datendarstellung und Ergebnisse von 600 Patienten in einer
transkulturelle Station Ziel: Die Teilnehmer sollen sensibilisiert
werden für Bearbeitungsstörungen, die im Rahmen Konfliktpathologie
auftreten können und sich mit anderen vielleicht hier im lande nicht
bekannte Therapieform auseinandersetzten Zielgruppe: für alle
Interessierten der positiven Psychotherapie
________________________
Dr. Jan Ilhan Kizilhan, Universität Freiburg
Vortrag & Workshop: Schmerzdeutung bei Menschen aus traditionellen Kulturen – Umgang und Behandlungsmöglichkeiten
Es gibt eine Reihe verschiedenster Ursachen, weshalb Menschen aus
traditionellen Kulturen ihre Schmerzen anders deuten und wahrnehmen.
Auch psychische Beschwerden können symbolisch durch Schmerzen oder durch
körperliche Beschwerden zum Ausdruck gebracht werden. Der erkrankte
Körper drückt die Befindlichkeit aus in sozialer, kollektiver,
ökonomischer, migrationsgeschichtlicher, psychischer und kultureller
Hinsicht. Die verschiedenen Körperorgane können symbolisch verschiedene
psychische Beschwerden darstellten Bei der Behandlung von Patienten aus
traditionellen Kulturen sollte man sich auf diese Aspekte
einstellen und integrativ und patientenorientiert arbeiten ______________________________________________________
Prof. Dr. Wolfgang Larbig, Universität Tübingen
Vortrag: Transkulturelle Untersuchungen religiöser Schmerzrituale in Griechenland und Sri Lanka und Laborexperimente – Konsequenzen für eine interdisziplinäre Schmerzbehandlung
In kulturvergleichenden transkulturellen
Feldexperimenten bei religiös motivierten Schmerzritualen griechischer
Feuerläufer, Hakenschwungzelebranten in Sri Lanka sowie einem Fakir
wurden hirnelektrische Aktivitäten in Erwartung und während akuter
schmerzhafter Stimulation mit Hilfe der Messung des Spontan-EEGs und der
langsamen kortikalen Potentiale erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass
die Schmerzblockade von extremen selbst zugefügten Schmerzen mit
autohypnotisch induzierter schlafähnlicher EEG-Hirnaktivität
einhergeht.Laborexperimente bestätigten diese Befunde Darüber hinaus
werden bei chronischen Schmerzerkrankungen (Rücken-, Phantomschmerz,
Fibromyalgie, komplexes regionales Schmerzsyndrom) aktuelle
neurowissenschaftliche Ergebnisse demonstriert, die den Nachweis
neuroplastischer Hirnveränderungen als Basis des kortikalen
somatosensorischen Schmerzgedächtnisses erbrachten, ein wesentlicher
Faktor für die Schmerzchronifizierung. Durch präemptive Analgesie bei
Amputationsoperationen ließen sich die neuroplastischen Veränderungen,
damit der postoperative Phantomschmerz signifikant verringern. Die in
PET-Studien gefundene suggestionsspezifische reduzierte lokale rCBF
Aktivität in limbischen Hirnarealen (anteriore Anteile des Gyrus
cinguli) während der Schmerzkontrolle wird z. Z. in
fMRI-Biofeedbackstudien zur Schmerzkontrolle erprobt. Unsere
Schmerzexperimente führten zur Entwicklung und wissenschaftlichen
Überprüfung medikamentenfreier psychologischer Schmerztherapien, wie
Entspannung, kognitiv-imaginative und operante Verfahren, Hypnose und
Biofeedback, die im Workshop diskutiert werden
Workshop: Transkulturelle Untersuchungen
religiöser Schmerzrituale in Griechenland, Sri Lanka und
Laborexperimente – Konsequenzen für eine interdisziplinäre
Schmerzbehandlung
Die transkulturellen Feld- und Laborexperimente werden im Workshop
ausführlicher diskutiert. Die hirnelektrischen Aktivitäten wurden mit
Hilfe einer drahtlosen Telemetrieanlage gemessen. Es zeigte sich während
der Schmerzapplikation eine signifikante Verlangsamung des
EEG-Grundrhythmus in den Thetabereich (3.5 – 5.0 Hz) über
schmerzverarbeitenden parietalen Hirnabschnitten. Diese EEG-Befunde
wurden in Laborexperimenten bestätigt. Je intensiver der Schmerz
(elektrischer Schmerzreiz + akustischer Stressor) war, desto deutlicher
zeigte sich die EEG-Synchronisation. Die Daten weisen darauf hin, dass
die erhöhte Thetaaktivität Ausdruck eines meditativen
Bewusstseinszustandes ist (schmerzblockierender „Mikroschlaf2) als
notwendige Bedingung erfolgreicher Schmerzkontrolle Ausführlich werden
Studien bei chronischen Schmerzpatienten dargestellt, die im Vergleich
zu gesunden Kontrollpersonen eine kortikale Reorganisation im
somatosensorischen Kortex aufwiesen, die besonders bei
Phantomschmerzpatienten signifikant mit der Schmerzintensität
korreliert. .Detailliert werden aus der Empirie abgeleitete
psychologische Behandlungsverfahren diskutiert
________________________________________________
Dipl. – Psych. Angelika Mies, Dr. v. Ehrenwall’sche Klinik, Ahrweiler
Vortrag: Die Nutzung der „Szenischen Darstellung“ als effektive psychotherapeutische Methode und ihre Entwicklungsgeschichte
Der Vortrag vermittelt einen Einblick in die kreativen, erlebnisintensivierenden Methoden der szenischen Prozessarbeit – ohne Verpflichtung auf eine bestimmte Therapieschule. Er gibt einen Überblick über die Entwicklungsgeschichte, ausgehend von dem von Jakob Levy Moreno entwickelten „Psychodrama“ über die verschiedenen Ansätze der „Systemischen Familienskulptur“ bis hin zur „Systemischen Strukturaufstellung“ nach Matthias Varga v. Kibéd und Insa Sparrer. Da die Arbeiten Morenos in der Psychotherapieforschung viel zu wenig beachtet werden, soll er hier als Pionier dieses Ansatzes besonders gewürdigt werden. Moreno ging davon aus, dass „Handeln heilender ist als reden“. Er bezog sich dabei auf die ausschließlich menschliche Fähigkeit zum szenischen Spiel, zum Handeln in Rollen, zur Darstellung in Bildern und Symbolen, die in allen Kulturen zu finden ist. Des Weiteren werden die Besonderheiten der Methode der Systemischen Strukturaufstellung als eigenständiger Arbeitsansatz mit einer einheitlichen Theorie und Methodik kurz skizziert. Im Übrigen ist die Darstellung der vielschichtigen und kreativen Anwendungsmöglichkeiten praxisbezogen ausgerichtet und vernachlässigt die theoretischen Hintergründe der einzelnen Therapieschulen. Allen Schulen ist gemeinsam, dass innerpsychische Zustände und emotionale Bindungen in symbolischer Weise in der therapeutischen Inszenierung neu geschaffen werden. Die Besonderheit besteht darin, die Dimensionen Raum, Zeit, Körper und Bewegung mit einzubeziehen. Wesentliches Ziel der therapeutischen Interventionen ist die Musterunterbrechung sowie die Erweiterung des egozentrischen Standpunkts um eine multizentrische Perspektive
Workshop 1: Die Nutzung der „Szenischen Darstellung“ als effektive psychotherapeutische Gruppenmethode
Theoretischer Hintergrund: In Anlehnung an den Vortrag vermittelt der
Workshop einen Einblick in die Praxis der Methoden der szenischen
Prozessarbeit in der Gruppe. Er spannt einen Bogen von dem von Jakob
Levy Moreno entwickelten „Psychodrama“ über die verschiedenen Ansätze
der „Systemischen Familienskulptur“ bis hin zur „Systemischen
Strukturaufstellung“ nach Matthias Varga v. Kibéd und Insa Sparrer.
Moreno ging davon aus, dass „Handeln heilender ist als reden“. Er bezog
sich dabei auf die ausschließlich menschliche Fähigkeit zum szenischen
Spiel, zum Handeln in Rollen, zur Darstellung in Bildern und Symbolen,
die in allen Kulturen zu finden ist. Innerpsychische Zustände und
emotionale Bindungen werden in symbolischer Weise in der therapeutischen
Inszenierung neu geschaffen. Die Besonderheit besteht darin, die
Dimensionen Raum, Zeit, Körper und Bewegung mit einzubeziehen.
Wesentliches Ziel der therapeutischen Interventionen ist die
Musterunterbrechung sowie die Erweiterung des egozentrischen Standpunkts
um eine multizentrische Perspektive Lernziele: Die TeilnehmerInnen
lernen einige Konzepte und Methoden aus dem Psychodrama sowie der
systemischen Skulptur- und Aufstellungsarbeit kennen und erleben die
Effektivität dieser vielschichtigen und kreativen Verfahren für
psychotherapeutische Veränderungsprozesse. Inhaltlicher Ablauf:
Konzeptuelle und methodische Inputs zum Workshopthema: Überblick über
die Entwicklungsgeschichte, Würdigung von Moreno als Pionier dieses
Ansatzes und seiner Methode des Psychodramas, Einblick in die Methode
der Systemischen Strukturaufstellung. Praxisbezogene Darstellung
verschiedener Anwendungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung von
Teilnehmerwünschen Didaktische Mittel: Input zu Theorie und Konzepten,
Selbsterfahrung, Demonstration, Erfahrungsberichte, Handout
Workshop 2: Methoden der „Szenischen Darstellung“ in der Einzeltherapie
Theoretischer Hintergrund: Die Methoden der szenischen Prozessarbeit –
ausgehend von dem von Jakob Levy Moreno entwickelten „Psychodrama“ über
die verschiedenen Ansätze der „Systemischen Familienskulptur“ – wurden
ursprünglich für die Arbeit in der Gruppe entwickelt. Dieser Workshop
vermittelt nun eine Vielfalt von Interventionen, die sich gut in die
Einzeltherapie integrieren lassen und diese lebendiger und
abwechslungsreicher gestalten. Auch diese Methoden folgen Morenos
Überzeugung, dass „Handeln heilender ist als reden“. Hierbei können alle
möglichen Materialien wie Holz- und Plastikfiguren, Klötzchen,
Schreibtischutensilien, Kissen, Tücher und Stühle zur Anwendung kommen.
Mit diesen Utensilien wird ein symbolischer Erlebnisraum geschaffen, der
die subjektive Wirklichkeit des Klienten plastisch und nachhaltig
abbildet und den egozentrischen Standpunkt um eine multizentrische
Perspektive erweitert. U.a. wird auf das „Soziale Atom“, eine von Moreno
entwickelte anschauliche Form der Beziehungsdarstellung, sowie
Anwendungsmöglichkeiten der Skalenarbeit (Steve de Shazer) oder der
Ressourcenankerung (Wolfgang Lenk) eingegangen. Lernziele: Die
TeilnehmerInnen lernen einfache Interventionsformen für die
Einzeltherapie kennen, die aus Konzepten und Methoden aus dem
Psychodrama sowie der systemischen Skulptur- und Aufstellungsarbeit
abgeleitet sind Inhaltlicher Ablauf: Konzeptuelle und methodische Inputs
zum Workshopthema: kurzer Überblick über die Entwicklungsgeschichte und
Würdigung von Moreno als Pionier dieses Ansatzes. Der Schwerpunkt liegt
auf der Darstellung verschiedener Anwendungsmöglichkeiten und ist
praxisbezogen
Didaktisches Mittel: Kurzer Input zu Theorie und Konzepten,
Demonstration verschiedener Methoden, Übungen in Kleingruppen, Handout
____________________________________________
Dr. Said Moshref Dehkordy, HGC kliniken, Emmaburg Klinik, Bad Lassphe
Vortrag: Entwicklung der Psychosomatischen Medizin in Orient und Okzident
Die psychosomatische Sichtweise hat im alten Persien schon eine über 3500 Jahre alte Geschichte. In zoroastrischen Schriften wird häufig auf die wechselseitige Wirkung von Psyche und Soma eingegangen und hypnotherapeutische Rituale zur Behandlung der psychosomatischen Beschwerden (angeboten (Moshref, 1985 Zwei persische Ärzte, Razi (865- 925) und Avicenna (980-1037) arbeiteten schon damals an der Diagnostik und Behandlung von Bio-Psycho-sozialen Systemmodellen Das Buch Kanon von Avicenna wurde mehrere hundert Jahre in Europa als Standardbuch der Medizin unterrichtet Nach und nach veränderte sich Persien, das Land erlebte viele schwere, tiefe Verletzungen in der Geschichte mit nachfolgenden negativen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen. Schon in der Ghajarih-Zeit wurde diese Art der Medizin nach Razi nur noch selten betrieben. Es kam zu einem Identitätsverlust Während die traditionelle Psychosomatik des Orients dort zunehmend verblasste, wurde die moderne Psychosomatik mit der Nutzung der Schule der traditionellen orientalischen Psychosomatik im deutschsprachigen Raum intensiver aufgebaut. In Deutschland wurde die erste Psychosomatik-Klinik in Berlin 1927 begründet und das 1. Universitätsklinikum in Heidelberg 1950 begründet. Deutschland gehört zu den führenden Ländern der Welt, was psychosomatische Grundversorgung angeht. In fast jedem Universitätsklinikum gibt es eine Psychosomatische Klinik Dieser wechselseitige Entwicklungsprozess findet im 21. Jahrhundert eine für beide Seiten integrativ-bereichernde Ebene: Das Projekt „Projekt Psychosomatik im Iran“ ist bewusst nicht einseitig angelegt. Es ist ein gutes Beispiel für medizinisch-interkulturelle Zusammenarbeit
?Workshop: Warum scheitern Schmerztherapien oft
Dauer: 2,30 Std
Im Workshop wird im ersten Schritt anhand von Fallb eispielen auf die
verschiedenen Bedingungen auf Seiten des Patienten und Therapeuten in
verschiedenen Settings in der heutigen Praxis und im klinischen Leben
eingegangen, die früher oder später nicht nur zum Scheitern einer
Therapie sondern auch zur Chronifizierung und Verschlechterung im Sinne
eines iatrogenen Prozesses führen .Im zweiten Schritt wird ein
erfolgversprechendes Schmerztherapiekonzept vorgestellt. Dieses
schmerztherapeutische Konzept berücksichtigt den gesamten Kontext des
Patienten, die biologischen, psychologischen, sozialen und kulturellen
Faktoren. Der Therapeut entschlüsselt in gemeinsamer Arbeit mit dem
Patienten vorhandene Kompetenzen. Diese sind das Material, aus dem für
diesen Patienten ein individuelles Ritual entwickelt wird. Dadurch
entsteht ein Ritual „mit Gesicht“, welches die bewussten und unbewussten
Teile des Patienten anspricht.In diesem Rahmen entsteht ein guter
schmerztherapeutischer Prozess für Patienten und Therapeuten, in dem
Etikettierungen wie „therapieresistent“ oder „schwierig“ die Ausnahme
bilden. Lernziele(was sollen die Teilnehmer lernen):Die Teilnehmer
werden a) Gründe für das Scheitern einer Schmerztherapie kennen lernen
b) Multikausalität des Schmerzgeschehens (bio-psycho-soziales
Schmerzmodell) nach der International Association for the study of Pain
(IASP) kennen lernen und benennen können c) ein spezielles
schmerztherapeutisches Konzept vermitteln. Inhaltlicher
Ablauf:Einführung in die Pathomechanismen des Schmerzgeschehens, Analyse
der Schmerzbehandlungskonzepte, die zum Scheitern der Therapie führen,
Fallbeispiele und Darstellung des schmerztherapeutischen Kontextes aus
systemischer Sicht, Vorstellung des erfolgversprechenden Konzepts,
Demonstrationen, Videoausschnitte.Erforderliche Vorkenntnisse der
Teilnehmer: keineLiteratur: Anton F., (1993) Schmerzmessung. In Zenz
Jurna: Lehrbuch der Schmerztherapie Wissenschaftliche Verlagsanstalt mbH
StuttgartBasler, H.-D., Franz,C., Kröner-Herwig, B., Rehfisch,
H.p.& Seemann, H. (Hrsg; 1999), Psychologische Schmerztherapie ,
4.Auflage Springer ,Berlin Moshref Dehkordy S. (2006) Der
therapeutischer Effekt der Hypnose bei der Behandlung chronischer
Kopfschmerzen vom Migränetyp, Hippocampus Verlag, Bad Honnef
___________________________________________
Hon.Univ.Professor Alireza Ranjbar, M.D., President, Institut of Interventional Allergology and Immunology (IIAI)
Vortrag & Workshop: The influence of the psyche on immunity and disease susceptibility
In recent years one of the most rapidly
advancing areas in medicine has been immunology and its interactions
with various psychological states. Considerable data indicate that
psychological disorders may increase an organism’s vulnerability to
certain diseases by means of exerting an immunosuppressive effect,
especially those diseases intimately associated with immunologic
mechanisms, such as infection, malignancy, and autoimmune disease. On
the other hand significant evidence suggests that the immune system is
capable of profoundly affecting central nervous system (CNS) functioning
in ways that may contribute to the development and expression of mood
The investigation of psychosomatic relationships involving the immune
system offers us a unique opportunity. The immune system has a
fundamental role in the maintenance of body horrieostasis and health .
Even minor fluctuations in this system have direct implications for the
development of disease. In recent years there have been many advances in
our understanding of the effect of mental states on the endocrine and
autonomic nervous systems, although the implications of those changes
for disease susceptibility have often been less obvious. The immune
system provides us with a further critical link in the psychosomatic
process and disease susceptibility. The field of immunology is expanding
at an extraordinarily rapid pace. Accordingly, our knowledge of the
normal regulation of immunity and the choices of measurable immune
functions which might provide the most sensitive index of
immunocompetence are also changing In both human and animal studies,
stress has been associated with alterations in cellular immune
mechanisms. For example in a human study, bereavement was found to be
associated with depressed lymphocyte function. In this study there was a
10-fold difference in T-cell function at 5 weeks between the 26
bereaved spouses and the controls. In animal trials by directly
stimulating the brain, different investigators have produced alterations
in the immune response. Lesions in the dorsal hypothalamus of rabbits
have been shown to suppress both humoral and cellular immunity, .
mesencephalic stimulation and electrical stimulation of the lateral
hypothalamus in rats enhance antibody responses , and bilateral anterior
but not posterior hypothalamic lesions in guinea pigs protect against
lethal anaphylaxis Considerable data demonstrate the high prevalence of
symptoms of depression in patients with a wide variety of neoplastic
disorders. Moreover, the dire consequences of these depressive symptoms
in cancer patients have been well documented. Recent conceptual
developments in the potential contributing mechanisms include increasing
appreciation of the possibility that behavioral alterations in cancer
patients may represent a “sickness syndrome” that results from
activation of the inflammatory cytokine network. This sickness syndrome,
which has been well documented in patients and laboratory animals
exposed to inflammatory cytokines, includes symptoms that overlap with
those seen in major depression. Treatment implications focus on the
pathways by which inflammatory cytokines influence behavior, including
therapeutic targets such as the inflammatory cytokines themselves,
corticotropin-releasing hormone, and monoaminergic neurotransmitters and
their precursors. This work will try to present some aspects of the
important role of stress and other psychological disorders on immunity
which lead to immune- related diseases
_________________________________________________
Dr. Peter Rosenthal, Klinikum Lüdenscheid (ATH, Uni Bonn)
Vortrag: Stress- und Stressfolgeerkrankungen, posttraumatische Belastungsstörungen
In dem Vortrag werden die bis heute
erarbeiteten Stresstheorien unter Berücksichtigung der neuesten
Ergebnisse aus Biochemie, Bildgebung und Genetik dargestellt. Eine neue
Methode der Messung von
Stress wird vorgestellt Darüber hinaus werden Bedingungen und Ursachen zahlreicher körperlicher und psychischer
.Erkrankungen unter Berücksichtigung der Stresstheorie diskutiert
Workshop: Stress und Stressfolgeerkrankungen, posttraumatische
Belastungsstörungen In dem Seminar soll unter Berücksichtigung der
Stresstheorie und der neueren Ergebnisse aus Biochemie, Genetik und
Bildgebung die posttraumatische Belastungsstörung in den Mittelpunkt der
Diskussion gestellt werden Psychotherapeutische und
pharmakotherapeutische Behandlungsstrategien sollen anhand von
Fallbeispielen diskutiert werden.Stress soll als zentraler
pathodynamischer Prozess im Verlauf psychischer und körperlicher
Erkrankungen diskutiert und auf Fallbeispiele aus dem
klinisch-.psychiatrischen Alltag angewendet werden
_________________________________________________
Prof. Dr. Heinz Rüddel, Fachklinik St. Franziska-Stift, Bad Kreuznach
“Vortrag: Psychosomatische Diagnostik im Krankenhaus: „Von der Theorie zur Praxis
Unstrittig ist, dass eine sehr große Zahl
von Patienten in den Krankenhäusern unter psychischen und
psychosomatischen Störungen leidet. Im Alltag ist es allerdings nicht
einfach, bei diesen Patienten eine korrekte Diagnose zu stellen, sie den
Patienten auch als relevant zu vermitteln und daraus therapeutische
Konsequenzen abzuleiten Im Vortrag werden die wichtigsten affektiven und
Sonatenformen Störungen in konkreten Fallbeispielen dargestellt und es
werden Vorschläge unterbreitet, noch im Krankenhaus eine
.optimierte Behandlung bei diesen Patienten zu starten Im letzten Teil
wird an verschiedenen (sehr unterschiedlichen) lokalen Beispielen aus
dem Bundesland Rheinland-Pfalz dargelegt, wie lokale Besonderheiten die
praktische Umsetzung psychosomatischer Konsil- und Liaisonarbeit
entwickeln lassen
Workshop: Erfassung von Teilhabestörungen in der Psychosomatik
Farshad Amani & Heinz Rüddel
Bei chronischen psychischen und psychosomatischen Störungen gilt es
nicht nur, die exakte diagnostische Eingruppierung nach der
ICD-Systematik durchzuführen, sondern auch Funktionseinschränkungen zu
benennen und die Schweregrade der Funktionseinschränkungen zu
quantifizieren. Hierzu hat sich in den letzten Jahren, basierend auf dem
biopsychosozialen Modell von Gesundheitsstörungen, die internationale
Klassifikation von Funktionsstörungen bewährt und ist von den
entsprechenden Fachgesellschaft als verbindlich vorgeschrieben
verabschiedet worden. Die ICF-Systematik ist umfassend, aber auch sehr
arbeitsaufwendig. Vorgestellt wird im Workshop die Konzeption des ICFs
und die beispielhafte Benennung der Funktionseinschränkungen mit den
entsprechenden Schweregradeinschätzungen. Darüber hinaus werden
Kurzfassungen von Funktionseinschränkungen im psychosozialen Bereich
vorgestellt und es werden Daten zur klinischen Validität und
Reliabilitat dieser Kurzskalen vermittelt :Inhaltlicher Ablauf
Einführung und Darstellung der Konzeption, danach Arbeit an einem
Fallbeispiel anhand einer Kasuistik (Teil I). Im Teil II Vorstellung der
in Deutschland gebräuchlichen Kurzversionen des ICF-Fragebogens sowohl
in der Expertenbeurteilung als auch in der Patientenselbstbeurteilung
_____________________________________________
Tanz – und Ausdruckstherapeutin Erika Sander, Dr. v. Ehrenwall’sche Klinik, Ahrweiler
Tanz – und Ausdrucktherapeut Alar Sander, Dr. v. Ehrenwall’sche klinik, Ahrweiler
Vortrag: Einführung in die Tanz- und Ausdruckstherapie
Die Tanz – und Ausdruckstherapie geht davon aus, dass sich die aktuelle Gefühlslage, lebensgeschichtliche Erfahrungen und auch der Grad der persönlichen Entwicklung im Bewegungsausdruck und der Körperhaltung eines Menschen widerspiegeln. Sie nutzt sowohl tanzkünstlerische wie auch körpertherapeutische Interventionen, um einen innerseelischen Prozess in Gang zu bringen und damit verbundene Konflikte und Themen zu bearbeiten In unserem Vortrag möchten wir Ihnen einen kurzen Einblick in die historische Entwicklung der Tanz- und Ausdruckstherapie ermöglichen, um anschließend die Grundannahmen, Zielsetzungen, das Indikationsspektrum, spezielle methodische Aspekte sowie mögliche Kontraindikationen zu beleuchten. Da die Tanz – und Ausdruckstherapie eine erlebnisorientierte Therapieform darstellt, ist es sinnvoll diese im Workshop „am eigenen Leib“ zu erfahren
Workshop: Tanz – und Ausdruckstherapie
Die Tanz- und Ausdruckstherapie ist eine ressourcenorientierte, tiefenpsychologisch fundierte Körperpsychotherapie. Durch den Einsatz der Bewegungsanalyse nach Rudolf von Laban und die Möglichkeit, mittels tanzkünstlerischer Gestaltungsprozesse zu intervenieren grenzt sie sich von anderen körpertherapeutischen Verfahren ab. Seit den 40-iger Jahren hat sie sich stetig weiterentwickelt und integrierte seither unterschiedliche psychologische Theorien In diesem Workshop soll die Möglichkeit geboten werden Aspekte dieser Therapieform praktisch zu erfahren. Es werden unterschiedliche Interventions-ansätze vorgestellt, zu denen wir jeweils abschließend entsprechende Fallvignietten einfließen lassen werden, um den Bezug zur Tanz – und Ausdruckstherapie im klinischen Setting transparent zu machen In diesem themenbezogenen Vorgehen werden wir auch auf die Besonderheit der aktiven Interaktion zwischen Therapeut und Patient eingehen. Es werden auch Interventionen erfahrbar gemacht, die in modifizierter Form ebenso im verbal-therapeutischen Setting ihre Anwendbarkeit finden können Für die Teilnahme an diesem Workshop ist das Tragen bequemer Kleidung erforderlich. Er wird in deutscher Sprache durchgeführt, bei der Möglichkeit die englische Sprache miteinzubeziehen
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Prof. Dr. Carl-Eduard Scheidt, Universitätsklinikum Freiburg
Vortrag: Psychosomatic basic care in an intercultural context: Experiences from the Asia link project
Postgraduate teaching of knowledge and skills in psychosomatic medicine for doctors in primary care was an important issue in Germany during the last two decades. Skills in doctor patient communication, diagnosis of common mental diseases such as depression and anxiety disorder or of functional somatic symptoms (medically unexplained symptoms) are of great relevance for medical staff in various medical specialities. The Asia link project on psychosomatic medicine is designed to establish programs for postgraduate teaching in three Asian countries, China, Vietnam and Laos. A three year curriculum of training of future teachers in psychosomatic medicine (TOT concept) is established. The project was started in 2005 and will be finished in 2009. By then in the university centers participating groups of specialists will be able to offer courses on psychosomatic medicine and basic psychosocial skills in the frame of an 80 hour curriculum to their colleagues. Important topics of the curriculum are depression, somatoform disorder and psychosocial aspects of severe physical illnesses. We will report experiences and results of the project so far
Workshop: Somatoform disorders in primary
care Medically unexplained symptoms are a common problem in primary
care. Patients present with a variety of symptoms such as dizziness,
pain, cardiac or gastrointestinal complaints without a medical cause. If
the diagnosis is failed an inevitable process of chronification is
started. Unexplained medical symptoms are indices of underlying
psychosocial distress and conflict. However, before discussing the
potential role of psychological distress with the patient a trustful
doctor patient relationship has to be established. The diagnosis of a
somatoform disorder should be communicated in ways which convey
acceptance to the patient with regard to his own theories concerning the
causes of his symptoms.In the workshop we will discuss the diagnosis
and etiology of somatoform disorder and develop strategies how to
communicate with the patient in order to open up his/her own
understanding of the complex nature of his complaints
____________________________________________
Dipl. – Psych. Renate Weihe Scheidt, Freiburg
Vortrag & Workshop: Depression und Familie – The depressed patient and his family
Depressive Erkrankungen beeinträchtigen
nicht nur den Patienten sondern betreffen immer die ganze Familie. Die
Partner sind oft in belastende Muster von Schuld- Überfürsorge –
Abhängigkeit und Wut verstrickt. Die Kinder geraten eher aus dem Blick,
für ihre kindlichen Bedürfnisse bleibt wenig Raum. Die depressiven
Patienten leiden unter der familiären Situation und die Familie unter
der Depression des Patienten. Paar- und Familiengespräche sind daher ein
wichtiger Bestandteil der Behandlung zur Entlastung aller
Familienmitglieder und zur Veränderung disfunktionaler und leidvoll
erlebter Interaktionsmuster Im Vortrag werden zunächst folgende Aspekte
dargestellt · Muster und Verläufe von Paarbeziehungen depressiver
Patienten · Situation von Kindern eines depressiven Elternteils · Ideen
und Erfahrungen zur Zielsetzung und Strukturierung von Paar- und
Familiengesprächen bei Depression Anschließend können Fallbeispielen aus
dem Teilnehmerkreis genutzt werden, um die vorgetragenen Überlegungen
zu verdeutlichen. Mit Hilfe von Familienskulpturen kann die
Beziehungsdynamik von Familien mit depressiv Erkrankten veranschaulicht
werden. Gemeinsam können Zielsetzung und Vorgehen für Paar- oder
Familiengespräche herausgearbeitet werden. Dabei sollten auch der
Austausch und die Reflektion über Ähnlichkeiten und Unterschiede
zwischen den Kulturen Platz finden
______________________________________________
Prof. Dr. Jörn Wietersheim, Universität Ulm
Vortrag: Psychische Aspekte bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Seit über 50 Jahren werden psychische Aspekte bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa und Morbus Crohn) diskutiert, mittlerweile liegen auch viele Studienergebnisse hierzu vor. So kann man heute nicht mehr davon ausgehen, dass es sich bei diesen Erkrankungen um spezielle psychosomatische Erkrankungen handelt. Psychische Faktoren spielen bei der Auslösung der Erkrankung anscheinend keine größere Rolle, Rezidive können aber durch chronischen Stress gehäuft auftreten. Die Lebensqualität der Patienten ist oft eingeschränkt, Depressionen sind häufig als Folge einer akuten Entzündung oder eines schweren Krankheitsverlaufs festzustellen. Einige Studien haben sich mit der Wirkung von Psychotherapie auf den körperlichen Verlauf der Erkrankungen, auf die psychische Situation der Patienten und deren Lebensqualität beschäftigt. Die Ergebnisse sind etwas widersprüchlich. Es konnte bisher nicht belegt werden, dass der Krankheitsverlauf durch psychotherapeutische Verfahren verbessert wird. Psychische Symptome und die Lebensqualität der Patienten können jedoch durch Psychotherapie günstig beeinflusst werden. Ein wesentliches Ziel ist dabei auch, den Patienten eine bessere Verarbeitung der Krankheit zu ermöglichen. Anhand der Datenlage kann Psychotherapie nicht für alle Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung empfohlen werden. Bei Patienten mit psychischer Symptomatik (Ängste und Depressionen), Hinweisen auf eine Auslösung von Rezidiven durch psychische Faktoren, und schlechter Krankheitsverarbeitung ist aber eine Psychotherapie zu empfehlen. Solche Empfehlungen sind auch in die aktuellen Behandlungsleitlinien eingegangen
Bericht vom 2. Internationaler Psychosomatik-Kongress
Dr. Norbert Günzel, Referent
Auf der Würzburger Studientagung der Deutschen Balintgesellschaft
im November 2007 wurden wir von Herrn Abbas Abtai auf den
Psychosomatischen Kongress in Isfahan aufmerksam gemacht und zur
Teilnahme eingeladen.
Seit 25 Jahren leite ich eine offene Balintgruppe mit niedergelassenen
Kollegen der Region. Wir treffen uns einmal im Monat zu einer
Doppelstunde. (Allgemeinärzte, Hals-Nasen Ohrenarzt, Gynäkologe,
Nephrologen, MDK, Orthopäde)
Seit Jahren planen wir zur Vertiefung unserer Arbeit einmal im Jahr ein
Wochenende mit jeweils 5 Doppelstunden. Seit 3 Jahren nutzten wir dieses
Wochenende um Balintgruppen in anderen Ländern zu besuchen und
gemeinsam in Großgruppe und Kleingruppen mit wechselnden Leitern unsere
Erfahrungen auszutauschen- so zum Kongress in Petersburg, in Riga und
Cambridge.
Der Kongress in Isfahan löste große Neugier und Begeisterung aus. So
waren sofort 12 Kollegen bereit nach Isfahan zu reisen. Die Organisation
der Reise wurde über das Kongressbüro abgewickelt, zunächst etwas
zögerlich aber dann zum richtigen Zeitpunkt perfekt. Herr Abtai hatte
der Kongressorganisation von unserer Gruppe berichtet, sodass unsere
Gruppe ins Programm aufgenommen wurde.
Herr Abtai berichtete, dass die Balintarbeit beim 1. psychosomatischen
Kongress in Isfahan großen Anklang gefunden hätte. Im Vorfeld war jedoch
nicht klar, wer von den anderen deutschen Teilnehmern eine Balintgruppe
anbieten würde und wie viel Interesse letztendlich bestehen würde. Die
Phantasien und Planungen reichten von einem Vorkongress mit Groß und
Kleingruppen bis hin zu einer marginalen Arbeit. Da unsere Balintgruppe
auch ohne jede Einbindung in ein vor bestehendes Programm ihre Arbeit
aufgenommen hätte, sind wir entspannt nach Isfahan gereist.
Wir genossen eine hervorragende Führung durch Isfahan unter Leitung von
Frau Nasim Ephrahini, Herr Abtai erzählte aus seiner Jugendzeit in
Isfahan, wir fanden schöne Plätze zum Verweilen und harrten der Dinge
die da kommen sollten. Wir hatten keine Informationen darüber, ob es
Balintgruppenleiter unter den iranischen Kollegen gibt und im Iran
Balintgruppen angeboten werden. Als das Programm schließlich vorlag, war
doch eine gewisse Enttäuschung zu verspüren. Es sollte lediglich eine
einzige interkulturelle Balintgruppe über 11/2 Stunden stattfinden. So
beschlossen wir unser eigenes Programm zu realisieren und die iranischen
Kollegen, soweit sie wollten dazu einzuladen. Dieses Unterfangen wurde
von der Kongressleitung unterstützt, sodass wir insgesamt 5
Doppelstunden Balintgruppe während des Kongresses realisieren konnten.
Leider war Herr Abtai erkrankt, sodass die ursprünglich geplante
gemeinsame Arbeit ausfiel.
Die klimatischen Bedingungen und schattenspendende Bäume neben dem
Kongresszentrum ermöglichten eine Arbeit im Freien. Von Beginn an nahmen
iranische Kollegen im Innenkreis der Gruppe teil. Der Außenkreis wurde
einbezogen, wobei die Kulisse der Interessierten in der zweiten Reihe
einem ständigen Wandel unterlag. Wir besprachen 5
Arzt-Patient-Beziehungen, wobei mit einer Ausnahme alle Fälle von
iranischen Kollegen oder in Deutschland lebenden Kolleginnen mit
Migrationshintergrund eingebracht wurden. Die Übersetzung erfolgte durch
Teilnehmer, die beide Sprachen beherrschten und durch Moshen vom
Kongressteam. Die Arbeit wurde immer wieder unterbrochen durch kurze
Erläuterungen der Balintarbeit, was der eigentlichen Arbeit jedoch
keinen Abbruch tat. Interessant war die letzte Gruppe. Ich hatte keine
Gruppe mehr vorgesehen. Ein iranischer Kollege bat mich jedoch um eine
weitere Sitzung. Er organisierte sofort einige interessierte Kollegen
und stellte einen persönlichen Fall vor. Die Gruppe veränderte sich
während der Sitzung fortwährend, was auch daran lag, dass die Vorträge
im Hörsaal nicht mehr übersetzt wurden. Schließlich wuchs die Gruppe auf
25 Personen an, in der nebeneinander her Gruppenarbeit und Diskussion
stattfand. Eine Mischung, die mir in einer solchen Dichte neu war und
sich zu einer intensiven Lernsituation entwickelte. An dieser letzten
Gruppe waren nur noch zwei Kollegen aus meiner heimatlichen Balintgruppe
beteiligt, sodass eine völlig neue Situation entstanden war. Sehr
beeindruckt hat mich die Verbindung von Theorie und Praxis. Eine
Balintgruppenarbeit zu erklären und mit ungeübten Teilnehmern umzusetzen
ist ein schwieriges Unterfangen. So konnten die Lernprozesse
beschleunigt werden, indem die Neulinge miterleben konnten, wie geübte
Gruppenteilnehmer Ihre Wahrnehmungen zum Fall erfassen und in die Arbeit
einbringen. Gerade jetzt unter der Flut von Leitlinien, Checklisten,
DMPs etc wird das intuitive Lernen wiederentdeckt, wiederbelebt und der
unbewußte Erfahrungsschatz bewusster genutzt.
Wir sind sehr beeindruckt von der Energie und Neugier der iranischen
Kollegen, mit der sie sich in die Arbeit einbrachten und mit wie viel
Interesse und Freude sie bei der Sache waren. Das war für uns umso
überraschender, weil wir zunächst auch Sorge hatten, ob Balintarbeit im
Iran überhaupt möglich sein würde. Einmal mehr haben wir gelernt, dass
die Medien ein sehr verzerrtes Bild über den Iran transportieren.
Die Arbeit im Freien ermöglichte, dass sich Theoretiker und Praktiker in
gemeinsamer Arbeit begegneten. Das habe ich in einer solchen Weise
bisher noch nicht erlebt und denke, das hier eine Chance für eine schöne
Form des Erfahrungs- und Wissensaustauschs enthalten ist.
Norbert Günzel
Prof. Wolfgang Larbig, Referent
Insgesamt gesehen waren die Eindrücke vom 2. Internationalen
Psychosomatikkongress an der Universität Isfahan/Iran sehr positiv. Die
verschiedenen Themenbereiche des Kongresses umfassten ein weites
Spektrum wissenschaftlich sehr ansprechender Vorträge und Workshops mit
neben Grundlagen orientierten Vorträgen vor allem interessante
praktisch-therapeutische Beiträge. Das generelle wissenschaftliche
Niveau war von durchschnittlich-überdurchschnittlicher Qualität.
Hinsichtlich der Vortrags – bzw. Programmplanung bleibt kritisch
anzumerken, dass beim nächsten Kongress die Redezeiten strikter
eingehalten werden sollten sowie wenn möglich mittels einer
Simultanübertragung die Vorträge in individuell gewünschte Sprachen wie
Deutsch, Englisch und Farsi zu übertragen, so dass die Übersetzung
während des Vortrages durch einen Dolmetscher neben dem Rednerpult nicht
mehr notwendig ist. Darüber hinaus ist zu empfehlen, die
Diskussionszeiten nach den jeweiligen Vorträgen etwas zu verlängern.
Die Organisation des Kongresses war vorzüglich. In den einzelnen
Workshops ergaben sich z. T. recht lebhafte und anregende Diskussionen
bezüglich der speziellen Workshopthematik sowie angrenzender
Fachgebiete. Zu überlegen wäre für den kommenden Kongress 2009 besser
auf eine mögliche Gleichverteilung der Teilnehmer in den einzelnen
Workshops zu achten, in dem z. B. die Teilnehmerzahl beschränkt werden
könnte.
Der Kontakt zu den iranischen Kolleginnen und Kollegen war durchweg sehr
positiv. So gelang es mir, mit einer iranischen Medizinstudentin und
einem iranischen Kollegen aus der Medizinischen Fakultät der Universität
Isfahan eine gemeinsame transkulturelle psychometrische Studie bei
Schmerzpatienten zu planen.
Die Vorbereitungen für die Iranreise sind aufgrund der Mithilfe der an
der Organisation beteiligten in Deutschland ansässigen iranischen
Kollegen unproblematisch. So erfolgte z. B. die Visumerteilung innerhalb
weniger Tage vom iranischen Frankfurter Generalkonsulat.
Etwas nachteilig empfand ich die Flugzeiten in den Iran sowie zurück
nach Deutschland. Man kommt erst spät nachts im Iran an. Hinzu kommt der
mehrstündige Transport nach Isfahan, der mit 5-6 Stunden Fahrtzeit
recht zeitaufwendig ist.
Der Besuch der Stadt Isfahan ist sehr lohnend, da die Stadt zahlreiche
außerordentliche Sehenswürdigkeiten besitzt, die z. T. zum UNESCO
Weltkulturerbe gehören. Von der Kongressleitung wurde vor Kongressbeginn
eine 2-tägige Besichtigungstour mit dem Bus inklusive hervorragender
Reiseleitung mit einer deutschsprechenden Iranerin organisiert, die
einen ausgezeichneten Überblick über die Stadt und die nähere Umgebung
bot. Ich unternahm mit befreundeten Kollegen nach dem Kongress eine
1-tägige preiswerte sehr interessante Taxifahrt in die weitere Umgebung
von Ishafan, u.a. nach Kaschan und Abyjane. Diese Fahrt vermittelte
einen faszinierenden Eindruck von der Wüsten- und Gebirgslandschaft im
mittleren Iran. Einen anschließenden 3-tätgigen Abstecher nach Schiras
mit dem Flugzeug erweiterte die positiven Eindrücke von den
beeindruckenden Sehenswürdigkeiten Irans sowie der überaus freundlichen
und hilfsbereiten Gastfreundschaft der iranischen Bevölkerung. Alle
Personen, besonders auch die junge Genereration, mit denen wir in
Kontakt kamen waren sehr westlich orientiert, offen, wissbegierig und
hilfsbereit. Hinzu kamen private Kontakte zur Familie des von mir
betreuten iranischen Doktoranden.
Meine Botschaft an die iranischen Kollegen ist der Wunsch nach noch
aktiverer Teilnahme an den Diskussionen während der Vorträge und
Workshops.
Meine Empfehlung an die deutschen Kollegen ist die Teilnahme am 3.
Psychosomatik-Kongress 2009, da er eine sehr gute Gelegenheit bietet
interessierte iranische Fachkollegen sowie auch das schöne Land Iran
kennen zu lernen. Aus diesen Gründen plane ich, erneut am geplanten 3.
Psychosomatik Kongress in Isfahan aktiv teilzunehmen.
Renate Weihe-Scheidt, Referentin
Bericht . Psychosomatik – Kongress Isfahan
Wir haben uns sehr gefreut, an dem 2. Internationalen Psychosomatik-Kongress in Isfahan teilnehmen zu können. Es war für uns sehr interessant , auf diese Weise einen gewissen Einblick in wissenschaftliche und klinische Arbeit der Iranischen Kollegen und KollegInnen zu bekommen, und ein Land kennen zu lernen, das uns bis dahin relativ fremd war. Die organisatorische Vorbereitung der Tagung lief sehr gut, Visum, Flug, Anreise nach Isfahan , Hotelreservierung, alles war bestens organisiert. Auch wenn es vor Ort dann manche kleinen Unklarheiten gab. Sehr schön war auch das touristische Begleitprogramm in Isfahan und Umgebung. Isfahan ist eine besonders schöne Stadt und die Menschen haben wir als sehr interessiert und offen erlebt. Oft wurden wir von jungen Leuten angesprochen, die wissen wollten, wo wir her kommen und uns nach unseren Eindrücken im Iran fragten. Man spürt, dass sie stolz auf ihr Land sind und unter dem Gefühl leiden, vom Rest der Welt in einem sehr negativen Licht gesehen zu werden. Wir waren beeindruckt von der freundlichen Offenheit und dem großen Interesse. Auch während des Kongresses haben wir viel Interesse von Seiten der iranischen Teilnehmer erlebt, in den Pausen gab es viele Nachfragen und Erfahrungsaustausch .Leider waren aber die Räume für Begegnung und Gespräche recht begrenzt. Die schnelle Abfolge der Vorträge ließ eine Diskussion der einzelnen Beiträge nicht zu, was ich bedauerlich fand. Die Zeit für die Workshops war kurz bemessen und aufgrund der Raumprobleme meist noch weiter beschnitten.
Etwas schwierig war teilweise auch die sprachliche
Verständigung. Da wir gebeten worden waren, in Englisch vorzutragen, – da nicht
genügend Übersetzer verfügbar seien – , waren wir davon ausgegangen, dass die
meisten Teilnehmer englisch verstehen. Erst im Laufe des Kongresses wurde
deutlich, dass viele der Zuhörer den englischen Vorträgen nicht folgen konnten.
Umgekehrt waren wir Deutschen bei den ausschließlich in persischer Sprache
vorgetragenen Beiträgen vom Verständnis abgeschnitten
Sehr anregend war für mich die Erfahrung im Workshop. Anhand eines Falles eine
iranischen Kollegen, konnte ich eine familientherapeutische Supervisionsmethode
demonstrieren und gemeinsam haben wir dann Ideen für ein weiteres
therapeutisches Vorgehen zusammengetragen. Mit etwas mehr Zeit, wäre ein noch
intensiverer Austausch möglich gewesen
Für die Planung eines nächsten Kongresses hielte ich es für hilfreich, mehr
über das Interesse der iranischen Teilnehmer zu wissen: Geht es Ihnen eher um
den Stand der Forschung oder eher therapeutische Weiterbildung für die
praktische Arbeit, geht es mehr um einen neuen Imput oder mehr um den Austausch
zwischen Therapeuten aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Solange die
Erwartungen der Teilnehmer und somit auch das Ziel des Kongresses etwas unklar
bleiben, bleibt auch ein Teil des Potentials einer solchen Tagung ungenutzt
Wenn es sich zeitlich einrichten lässt, würde ich gern wieder zum Psychosomatik-Kongress
nach Isfahan kommen
Renate Weihe-Scheidt
Angelika Mies, Erika Sander, Alar Sander, Referentinen & Referent
Beteiligung der Dr. v. Ehrenwall’schen Klinik am
2. Internationalen Psychosomatik-Kongress in Isfahan/ Iran aus der Zeitschrift Bitz in Ahrweiler
Dr. Said Moshref, geboren in Isfahan/Iran, Psychologie-Studium im
Iran, Medizin-Studium in Deutschland, ist den meisten Kollegen
sicherlich noch bekannt. Nach seiner Zeit als Assistenzarzt in unserem
Hause vom 1.5.2000-14.4.2004 war er als Facharzt in der Klinik für
Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Lüdenscheid (Akademisches
Lehrkrankenhaus der Universität Bonn) tätig. Seit Januar 2008 ist er
Chefarzt der Abt. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der
Emmaburg-Klinik, Bad Laasphe.
Nach einem Vortrag über Schmerztherapie im Juni 2005 in Isfahan entstand
die Idee einer Kooperation zwischen Dr. Moshref und der Fachdisziplin
Psychiatrie der Universität Isfahan. Im Mai 2006 fanden die ersten
Vorgespräche zur Entwicklung einer neuen Fachdisziplin Psychosomatische
Medizin statt, für die Herr Dr. Moshref ein Konzept entwarf. Nach seiner
Rückkehr aus dem Iran stellte er sein Konzept dem ärztlicher Direktor
sowie den beiden Klinikdirektoren am Klinikum Lüdenscheid vor. Im
November 2006 folgten weitere Gespräche mit Kollegen auf deutscher und
iranischer Seite, um eine für alle zufrieden stellende Absichtserklärung
zu entwickeln. Nach knapp einem Jahr wurde der Vertrag im Klinikum
Lüdenscheid sowie in Isfahan unterzeichnet. Um die Jahreswende 2006/2007
wurden das wissenschaftliche Beraterteam sowie der wissenschaftliche
Beirat des Projektes gegründet. Es folgten noch weitere
Absichtserklärungen mit namhaften medizinischen Institutionen in
Deutschland. Eine Absichtserklärung mit unserer Klinik steht kurz vor
dem Abschluss.
Das Projekt verfolgt verschiedene Ziele:
· Kurzfristig: Entwicklung eines Konzepts der psychosomatischen
Fachdisziplin im Iran und Veröffentlichung im Rahmen eines 1.
Psychosomatischen Kongresses; Ergänzung der akutpsychiatrischen Klinik
am Universitätsklinikum Isfahan um eine psychosomatische Abteilung;
Gründung von selbstständigen Gesellschaften bzw. Akademien für
Psychosomatik, Psychotherapie und interdisziplinäre Medizin.
· Mittelfristig: Angebot von Kursen und Workshops im Iran zur
Vermittlung psychosomatischer Therapiemöglichkeiten sowie
Hospitationsmöglichkeiten für das Leitungsteam der Universität Isfahan
(und anderer Universitäten im Iran) in Deutschland; Entwicklung eines
berufsbegleitenden Weiterbildungsangebots in der Psychosomatik (z.B.
Balintgruppe, Selbsterfahrungsgruppe, Supervision); Vorbereitung der
Inauguration der neuen Abteilung für psychosomatische Medizin am
Universitätsklinikum Isfahan; Durchführung gemeinsamer medizinischer
Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Psychosomatik.
· Langfristig: Entwicklung einer Weiterbildungsordnung für die neue
Facharztbezeichnung Psychosomatik, Entwicklung von Curricula für
Therapieausbildungen.
2. Psychosomatikkongress in Isfahan vom 7.-9.5.2008
Nachdem zum 1. Psychosomatik-Kongress im Mai 2007 zehn deutsche
Psychosomatiker angereist waren, die mit kopfschüttelnder Verwunderung
im Heimatland betrachtet worden waren, umfasste das Team der jetzigen
deutschen Reisegruppe inzwischen 60 Personen, Teilnehmer wie Dozenten.
Darunter auch eine Delegation der Dr. v. Ehrenwall’schen Klinik,
vertreten von Erika und Alar Sander sowie Angelika Mies, die in
Vorträgen und Work-shops einen Einblick in Tanztherapie und Psychodrama
vermitteln wollten.
Das Ausbindungssystem der noch unter Schah Resa Pashlevi eingerichteten
modernen Universität von Isfahan mit einer eigenständigen School of
Medicine orientiert sich nach wie vor erstaunlicherweise an den
Prinzipien der USA. Im US-amerikanischen medizinischen System gibt es
keine eigenständige Psychosomatik, sondern es hat sich stattdessen ein
Bereich Consultation-Liason Psychiatry entwickelt, der von den Patienten
jedoch häufig abgelehnt wird, da sie nicht psychiatrisiert werden
wollen. Insofern zeigen die iranischen Kollegen großes Interesse an der
bei uns etablierte Form der psychosomatischen Grundversorgung. Im Fokus
stand die Zielgruppe der Patienten mit funktionellen Bauchbeschwerden
(offenbar das iranische Pendant zu den bei uns gehäuft auftretenden
funktionellen Rückenschmerzen), bei denen eine medikamentöse
pharmakologische Therapie wenig nützt und die eine klare Indikation für
multi-modale psychotherapeutische Interventionen sind, wie sie in den
psychosomatischen Einrichtungen in Deutschland angeboten werden.
Insgesamt imponierte das hohe Niveau des wissenschaftliches Angebot in
der muslimischen Republik Iran, wenngleich jeder Kongresstag mit einer
Rezitation aus dem Koran begonnen, die Nationalhymne feierlich gesungen
wurde und die iranischen Professoren ihre Vorträge mit „In the name of
God“ begannen. Auch wenn teilweise in englisch gelehrt und gelernt wird,
beherrschen jedoch nur ca. 40 % der Akademiker englisch als
Fremdsprache – was trotz 350 Kongressanmeldungen zu geringeren
Teilnehmerzahlen bei den meist in englisch vorgetragenen Vorträgen der
Deutschen führte.
Neben den fachlichen Aspekten der Tagung waren für uns auf dieser Reise
natürlich auch die gesellschaftlichen Fragen und kulturellen Aspekte
wichtig. Isfahan gilt als die schönste aller persischen Städte. Rund 430
km südlich von Teheran im Zentraliran in einer Flußoase gelegen, im
Süden und Westen von den Bakhtiyari-Bergen und im Norden und Osten von
der iranische Hochebene, die in die großen Wüsten übergeht, begrenzt,
bietet diese Stadt zahlreiche Höhepunkte der persischen Kunstwelt. Ihre
Glanzzeit erlebte die Stadt unter der Dynastie der Safawiden. 598
verlegte Schah Abbas I. (reg. 1587-1629) die Hauptstadt des damaligen
Persiens nach Isfahan, das er zu einem Paradies auf Erden machen wollte
und durch zahlreiche Prachtbauten und Gartenanlagen verschönerte, die
wir besichtigten konnten. Der zweitgrößte städtische Platz der Erde, der
Meidan-e Emam, ist von zweistöckigen Arkaden umrahmt. Zwei hohe und
reich verzierte Eingangsportale führen im Norden zum Basar und im Süden
zur Emam-Moschee, die von einer prächtigen himmelblauen Kuppel gekrönt
ist. Weiterhin finden sich hier eine kleinere Moschee mit ihrer beigen
Kuppel und der Ali Qapu, die ehemalige königliche Residenz. Ein
Meisterbau unter den zahlreichen Brücken ist die Pol-e Khaju. Sehenswert
ist in Isfahan auch das armenische Viertel Jolfa mit seinen Kirchen,
dem christlichen Friedhof und dem armenischen Museum. Die Stadt zählt
heute mehr als 1,3 Mio. Einwohner und ist trotz ihrer architektonischen
Meisterwerke auch ein modernes Industriezentrum.
Im Straßenbild fielen die schwarz gekleideten Frauengruppen auf – und
auch der Kontrast zu den westlich gekleideten Männern. Das verordnete
Gebot des Kopftuches und der weiten langen Mäntel wurde von den Frauen
Isfahans weitgehend und offenbar auch strenger befolgt, als bspw. in
Teheran. Und auch wir kamen daran nicht vorbei! Dennoch war bei den
jüngeren Frauen das Interesse an westlicher Mode (BlueJeans,
Markenartikel, große Sonnebrillen etc.) unübersehbar. Leichte
Veränderungen wurden erprobt in Form von kürzeren, figurbetonten Mänteln
sowie farbigen Tüchern, die einen teil der Haare sichtbar ließen. Es
entstand der Eindruck einer Art Nischenkultur. Man nutzt den abendlichen
Spaziergang am wunderschönen Fluss mit seinen alten Brücken, macht
Picknick mit den Familie und hofft auf eine allmähliche Lockerung des
Regimes. Kein Iraner, den wir kennen lernten, schien an einer „Rettung
von außen“ interessiert, vielmehr äußerten sie sich stolz über ihr
Heimatland und legten Wert auf ihren eigenen Weg. Gleichzeitig schien es
den Iranern sehr am Herzen zu liegen, unseren Eindruck als Touristen zu
erfahren, und uns zu vermitteln, dass das iranische Volk nicht mit
seiner Regierung und Außenpolitik gleichzusetzen ist. Wir wurden häufig
freundlich angesprochen, oft auch von Frauen, die ein starkes Interesse
an einem interkulturellen Austausch zeigten.
Dr. Peter Rosenthal, Referent
2. Deutsch-Iranischer Kongress für Psychosomatische Medizin an der Universität von Isfahan/Iran
Auf Einladung der Isfahan University of Medical Science im
Iran waren Dr. Peter Rosenthal, Direktor aus der Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie und einer seiner Oberärzte, Herr Dr. Egbert Cardinal von Widdern
als Referenten und Leiter von Workshops vom 07.05.2008 bis 09.05.2008 neben
mehr als 20 Kolleginnen und Kollegen von den Universitäten Freiburg, Hamburg,
Ulm, Frankfurt und Berlin in Isfahan.
Der Kongress fand auf dem Campus der Universität statt. Mehr als 800 Teilnehmer
waren an 3 Tagen anwesend.
Organisiert wurde der Kongress von unserem ehemaligen Lüdenscheider
Arztkollegen
Herrn Dr. Said Moshref, jetzt Chefarzt der Emmaburg-Klinik in Bad Laasphe, dem
Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Isfahan, Herrn Dr. Schirani
und einem Organisationskomitee von Ärztinnen und Ärzten aus Deutschland.
Eine besondere vertraglich vereinbarte Partnerschaft besteht zwischen der
medizinischen Fakultät der Universität Isfahan und dem Klinikum Lüdenscheid.
Der Orient begann schon eine Stunde nach dem Start von Köln-Bonn. Ein Mann
erkundigt sich beim Flugkapitän nach der Himmelsrichtung von Mekka, legt seinen
Gebetsteppich im Winkel von
45 Grad zur Flugrichtung des Airbus A310 auf dem Boden und lässt sich durch die
Geräusche des vollbesetzten Flugzeuges bei seinem Gebetsritual nicht stören.
Die Anfahrt nach Isfahan war beschwerlich, da es nur einen internationalen
Flughafen im Iran (Teheran-Iman Khomeini Flughafen) gibt und Isfahan noch 480
km entfernt über eine Autobahn erreicht werden musste.
Die Unterbringung der Referenten und Gäste in einem der schönsten Hotels der
Stadt war ein besonderes Erlebnis.
Isfahan ist eine Stadt mit 1,3 Millionen Einwohnern, einer großen und
hervorragend ausgestatten Universität und beherbergt zahllose historische
Gebäude und Kunstschätze. Einen kleinen Teil dieser orientalischen Welt konnten
die Referenten und Gäste aus Deutschland im Rahmen gut organisierter
Besichtigungstouren kennenlernen.
Der 2. Deutsch-Iranische Kongress für Psychosomatik hat in Isfahan mit mehr als
800 teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten und auch Mitarbeiter des Pflegedienstes
ein außerordentlich großes Interesse ausgelöst. Es ist der größte Kongress im
Fachgebiet der psychosomatischen Medizin im Iran geworden.
Die Vorträge und Workshops waren überwiegend auf hohem wissenschaftlichen
Niveau. Zitiert wurden überwiegend Arbeiten internationaler
medizinisch-wissenschaftlicher Datenbanken, welche in der Universität Isfahan
offensichtlich frei zugänglich sind. Im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen
wurde deutlich, dass die Medizinstudenten nach amerikanischem Vorbild
ausgebildet werden. Auf dem Kongress wurden wissenschaftliche Arbeiten der
Universität Isfahan aus den Gebieten der gastroenterologischen Psychosomatik,
zur Psychosomatik der Krebserkrankungen und der Herz-Kreislauferkrankungen
vorgestellt. Sehr interessante Vorträge zur Psychosomatik der Schmerzstörungen,
somatoformen Störungen und zur posttraumatischen Belastungsstörung fanden
großes Interesse im Auditorium.
Den Gästen aus Deutschland wurde einmal mehr deutlich, wie das Erleben einer
Krankheit bei übereinstimmenden genetischen, biochemischen und sonstigen
pathologischen Befunden von dem jeweiligen kulturellen Kontext abhängig ist,
welcher wesentlich die Arzt-Patientenbeziehung bestimmt. Untersuchung,
Diagnostik, Einzel- und Gruppenpsychotherapie sowie Familientherapie verlangen
im islamischen Kontext des Iran eine andere Einstellung, andere Techniken und
Zugangswege als z.B. in Deutschland. Archaische und animistische
Krankheitsvorstellungen und Krankheitsverarbeitungsmodi bestimmen im Orient
viel stärker als in Europa das Krankheitserleben sowie die diagnostischen und
therapeutischen Prozeduren. Die Staatsreligion des Islam bestimmt wesentlich
den Umgang zwischen Männern und Frauen, zwischen Eltern und Kindern und
innerhalb der Familie. Diese sozial kulturell geprägten psychologischen
Besonderheiten stehen einer kulturneutralen rationalen, westlich geprägten
wissenschaftlichen Medizin und ihrer Anwendung in Diagnostik und Therapie oft
entgegen, geben jedoch dem kranken Menschen sehr viel inneren und äußeren Halt,
so dass diese kulturellen Determinanten heilungsfördernd in die Diagnostik und
Therapie einbezogen werden können. Die Diskussionen mit den iranischen
Kolleginnen und Kollegen waren infolge dessen geprägt durch die Frage, wie kann
man die wissenschaftlich als wirksam erforschten rationalen diagnostischen und
therapeutischen Techniken in unterschiedliche Kulturräumen zum Wohle der
Patienten anwenden?
Bemerkenswert war, wie freundlich, offen und aufmerksam die iranischen
Kolleginnen und Kollegen mit uns diskutiert haben. Großes Interesse war bei der
Frage des Umgangs mit schwierigen Patienten, zu psychotherapeutischen
Techniken, zur Balintgruppenarbeit, zum Umgang mit Stress im beruflichen
Alltag, mehrere Forschungsprojekt zwischen iranischen und deutschen
Wissenschaftlern wurden vereinbart.
Bemerkenswert war auch, dass organisatorische Pannen, so ärgerlich sie auch
waren, der hervorragenden Kongressatmosphäre keinen Schaden zugefügt haben. Die
Lüdenscheider Teilnehmer und Referenten sind sich sicher, dass der 3. Kongress
für Psychosomatik 2009 in Isfahan stattfinden wird.
Ellahe Engel-Yamini, Referentin
Psychosomatikkongress in Iran Mai 2008
Bericht Psychodrama Workshop 8 „ Wenn die Arbeit und Familie auf den Magen schlägt“.
Es haben ca. 6 iranische Ärzte, .Psychologen, Psychiater und
Psychologen an dem Workshop teilgenommen. Eine Teilnehmerin leitete eine
Psychiatrische Klinik.
Ein praktischer Arzt stellte sich vor, er leide seit Jahren unter Depression
und Angst.
Eine andere Teilnehmerin berichtete, sie sei „Patientin, “ sei austherapiert,
sie leide an Magenschmerzen.
Zwei Deutsche Ärzte, Herr Dr.C.und Herr Dr. W., nahmen ebenfalls an dem
Workshop teil.
Nach einer Vorstellungsrunde suchten sich die Teilnehmer Gesprächspartner mit
denen sie ihre Vorstellungsrunde intensivieren konnten. Eine Teilnehmerin
berichtete in emotionaler Weise, sie hat ihren Sohn verloren Die letzte Reise
gemeinsam mit ihm war in Esfehan, es werden wieder Erinnerungen in ihr wach.
Nach einem gegenseitigen Austausch stellte A B vor und umgekehrt.
Dieser Vorgang bereitet den Anwesenden sichtlich spaß.
Durch eine Entspannungsreise wurde eine Verdichtung der Themen versucht. Man
sollte sich die Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter Revue passieren lassen
und mit einigen Stichworten ein Thema benennen Die Teilnehmer konnten sich
darauf einlassen.
Themensammlung:
Unterstützung der Familie – Teilnehmerin-
Ein Gespräch an einem Winterabend, dass mein Leben veränderte- Teilnehmer-
Magenschmerzen –Teilnehmerin-
Depression
Wahl eines Themas durch die Gruppe mittels Soziometrische Wahl
„ Ein Gespräch an einem Winterabend „ mit insgesamt 3 Stimmen gewählt. Fast ein jeder Teilnehmer hatte eine Hand auf die Schulter.
Die Szene wurde wie folgt von dem Protagonisten beschrieben:
Er war an einem Abend in der Klinik anwesend, habe aber keinen Dienst gehabt.
Eine Patientin wurde von der Schwester mit Schmerzen vorbeigebracht. Ein
zuständiger war jedoch nicht aufzutreiben. Er habe die anwesende Psychologin
gefragt, was ist Hölle und was der Himmel die Beschreibung der
Gesprächspartnerin habe ihn fasziniert. Der Protagonist war jedoch nicht bereit
nicht einmal ihren Vornamen zu nennen.
Der Protagonist wählte aus den Anwesenden eine Kollegin, die
sich als „Patientin“ beschrieb
als Patientin im Spiel. Eine Mitspielerin war die diensthabende Schwester
Die Bühne wurde mit dem Spiel der Szene nach seinen Anweisungen eröffnet.
Die Psychologen, beschrieb ihre Vorstellung von Himmel, wie folgt:
„Wenn ich was Gutes getan habe, mit der ich zufrieden bin,
das ist Himmel.
Wenn ich etwas schlecht gemacht habe, dann leide ich darunter, das ist die
Hölle. „
Aus Zeitgründen, da der Raum für den nächsten Workshop
benötigt wurde, war es nicht möglich, dass der Protagonist gedoppelt und
gespiegelt wurde, bzw. die Techniken vorgestellt wurden. Da Psychodrama stark
von der Verdichtung lebt, fand ich den Umstand eher bedauerlich.
Mitteilungen der Teilnehmer nach Entlassung aus ihren Rollen: in ihren Rollen:
Magenschmerzen: ich kam mit Magenschmerzen und ging damit
Schwester: ich fühlte mich ganz schlecht, weil keiner sich zuständig fühlte
Protagonist: Der Psychologe neigte zum stottern, beschreib,
er habe sich in dem Gespräch wunderbar gefühlt, keiner hat ihn ausgelacht,
lächerlich gemacht, man habe ihm zugehört.
Einige Zuschauer kritisierten bzw. fragten nach den Ergebnis oder den Sinn des
Spiels.
Besonders die Chefärztin fragte mich, „was denken Sie, was das Spiel uns sagen
sollte? „
Dr. W.: „Der Therapeut ist nicht für alles zuständig. „
Der Protagonist: und einige bemerkten, wir sind nicht bereit
Themen offen anzusprechen, sein Thema sei in der Tat zu philosophisch gewesen.
Worauf eine Teilnehmerin bemerkte:
„Wir sind eine paranoide Kultur“.
Der Arzt mit Depressionen war etwas enttäuscht, er hatte
sich offenbar mehr praktische n Nutzen versprochen.
Am zufriedensten war offensichtlich der Protagonist selber.
Obwohl die Chefärztin mich nach dem Ergebnis des Spiels fragte, schlug sie vor,
die Veranstaltung bei Gelegenheit zu wiederholen.
Ich möchte als Spielleiterin keine Bewertung des Spiels vornehmen. Die Methode war zweifellos neu, ungewöhnlich, auch der Zugang. Die Spielfreude war deutlich zu erkennen, auch die Verdichtung durch die Benennung eines Themas war nicht Schwierig.
Offensichtlich hat sich die Gruppe für ein eher philosophisches Thema entschieden und ihre Erfahrungen damit gemacht. Ich halte es durchaus für möglich, dass in dem Spiel ein Unterthema gab, das nicht gerne zu dem Zeitpunkt formuliert wurde.
Der Protagonist, ein ehrgeiziger Junger Man, der zum
stottern neigte, wurde schon bei der Vorstellung von seinem Gesprächspartner in
Spaß- Schuchi- aufgezogen. Er währte sich jedoch nicht dagegen, aber die
Körpersprache ließ den Schluss zu, dass der Protagonist sich dabei nicht wohl
fühlen konnte.
Die Wahl des Gesprächspartners entsprach nicht ganz der Anweisung sich
möglichst jemanden zu suchen, der einem fremd ist
Der Gesprächspartner des späteren Protagonisten gab an, er kenne den
Gesprächspartner innen und auswendig, etc.
Der Protagonist wurde durch meine Intervention geschützt. Bzw. sein
Gesprächspartner wurde durch einen Hinweis von mir gebeten, seinen Partner
respektvoller vorzustellen.
Man kann Spekulationen darüber anstellen, in wie weit die iranische Gesellschaft, Schwächen, Behinderungen zulässt und damit umgehen kann. Es konnte gelingen das Spiel in dem Workshop in wertschätzender und respektvoller Weise für Spieler und Leiter zu gestalten. Für die Mitspieler und professionellen Helfer wurde es fühlbar, was es heißt sich „jemanden „ oder einem „Helfer „anzuvertrauen bzw. etwas in einer Gruppe von sich preis zu geben. Gleichzeitig die Erfahrung, dass sie die Kontrolle über ihr Spiel haben, in der sie zwar begleitet wurden, aber nicht manipuliert.
Fazit: Es entstand der Eindruck, dass der Workshop dem
Protagonisten am meisten was mitgeben konnte, Wertschätzung, Respekt und
Geborgenheit, von Menschen, die nicht zur Familie gehören und die ihm fremd
sind.
Das ist meines Erachtens, ein Schritt zu einer Gesellschaft, in der nicht nur
die Familie in erster Linie ihr „krankes“ oder fragiles Mitglied zu schützen
oder beschützt versucht.
Die Gruppe war dazu ein gutes Vorbild.
Mit freundlichen und kollegialen Grüssen
Ellahe Engel-Yamini
Interview mit einigen Teilnehmern
- Wie sind Ihre Eindrücke vom 2. Internationalen Psychosomatik- Kongress in Uni. Isfahan?
- Wie beurteilen Sie Wissenschaftliches Niveau des Kongresses?
- Würden Sie auch beim nächsten Kongress in den Iran kommen?
- Sie haben gesehen es gab auch Probleme mit der Planung und dem Workshops räumen Vertrag etc.. Wie es ing. bei Ihnen angekommen?
- Sind die Vorbereitungen zur Reise in den Iran schwer?
- Wie war Ihr Aufenthalt in der Stadt Isfahan und wie sehen Sie diese Stadt?
- Wie haben etwa 1000 Teilnehmer gehabt und Sie haben beim Kongress viele junge iranische Kolleginnen und Kollegen gesehen und wurden auch von denen angesprochen. Welchen Eindruck haben Sie von der jungen Generation im Iran
- Was ist Ihre Botschaft zu deutschen Kolleginnen und Kollegen ( auch internationale Szene ), die wahrscheinlich beim nächsten Kongress mehr Präsenz als Referent oder auch Teilnehmer/in
- Was ist Ihre Botschaft zu den iranischen Kollegen, Referentinnen/ Referenten und Kongressorganisatoren?
Vom 2. Internationalen Psychosomatik Kongress an der Uni in Isfahan war ich insgesamt überwältigt bei so vielen neuen Eindrücken
Bei mir blieb der Eindruck, dass insgesamt die Vorträge von der Thematik und Ausführung her äußerst vorsichtig formuliert wurden, um nicht gegebenenfalls einen Affront gegen Politik oder sonstige Gepflogenheiten zu begehen. Daher meine ich, dass hier noch ein deutliches Potential vorliegt, welches sich sicherlich in den nächsten Jahren entwickeln wird
Auf jeden Fall werde ich nächstes Jahr wieder in den Iran kommen ganz klar J
Die Probleme, die es bei Planung gab, störten mich ehrlich gesagt überhaupt gar nicht, der kurzfristige Umzug vom Abbasi Hotel in ein kleineres Hotel kam zwar etwas überraschend, empfand ich aber eher als insgesamt positiv und hat mich überhaupt nicht gestört
Die Vorbereitungen zur Reise waren sehr leicht
Ich hatte mir unter Isfahan eine ganz andere Stadt vorgestellt. Ich sah eine sehr moderne, aufgeschlossene junge Stadt mit pulsierendem Leben und sicher hohem Lebensstandard, sowie der Möglichkeit zur hohen Lebensqualität
In der Tat hatte ich sehr viel Kontakt mit der jungen Generation in Iran, war sehr überrascht und sehr begeistert. Besonders beeindruckt hat mich die überwältigende Neugierde und Offenheit sowie die Freiheit im Denken der jungen Studenten. Es stimmt mich sehr hoffnungsfroh, denn ein solch freier Geist wird immer seinesgleichen suchen, nämlich die Freiheit, und nichts und niemand wird einen solchen Geist aufhalten können. Und so wird sich auch die junge Generation im Iran Kraft ihrer guten Eigenschaften das Leben so einrichten, wie sie es will
Die Frage habe ich nicht ganz verstanden, jedenfalls ermutige ich alle meine Kollegen und Kolleginnen, die ich hier treffe, ebenfalls den Kongress im Iran zu besuchen
Meine Botschaft an die Organisation wäre, alles nicht so streng und ernst zu sehen und locker zu bleiben. An die Referenten würde ich ein Wort richten, Dinge, die man denkt, zu sagen und die Dinge, die man sagt, auch zu denken. Auf jeden Fall sollte dieser Kongress fortgeführt werden, und ich freue mich schon wieder auf einen Besuch im nächsten Jahr im Iran
Vielen Dank
Armin G.Kaa
Ich war überrascht und begeistert
Das Niveau war entsprechend der Ankündigungen sehr hoch
Wenn es mir möglich ist, würde ich gerne wieder teilnehmen
Ich hatte keine Probleme
Keineswegs, es war die Vorbereitung von Seiten der Kongressleitung ausgezeichnet
Ich habe die Tage in Esfahan genossen. Bis auf eine Nacht waren Wir im Hotel Abbasi sehr gut untergebracht, eine Nacht im Hotel Esfahan ausreichend gut und interessant
Die Stadt ist bezaubert wohl, die Führerin war ausgezeichnet
Ich hatte den Eindruck, daß die jungen Leute äußerst interessiert an uns waren. Es war sehr viel kontakt möglich
Vielleicht, daß meine Bedenken unbegründet waren. Man sollte sich also nicht allzu viele Sorgen machen
Ich fand die Arbeit und die Atmosphäre sehr angenehm und aufschlussreich
Dr. Barbara Hammel
Zweiter internationaler Psychosomatik-Kongress an der Universität Isfahan im Iran vom 07. bis 09.Mai 2008
Ein subjektiver Bericht einer viel zu kurzen Reise in ein „unbekanntes“ Land
Wegen des kulturellen Rahmenprogramms und touristischer
Aktivitäten in Eigenregie reisten viele Teilnehmer – wie auch wir am 03.05.2008
– schon früher an, während andere ihren Aufenthalt verlängerten.
Da viele Leser uns nicht kennen oder andere sich nicht mehr an uns erinnern,
erfolgt eine kurze Biographie.
Mein Name ist Dr. Helmut Ebertz, 65 Jahre, 31 Jahre lang hausärztlicher
Internist in Lüdenscheid und seit ca. dreiviertel Jahr „Frührentner“. Als
fachfremder Kollege war ich nicht als Referent geladen, nahm aber bei ca. zwei
Dritteln des wissenschaftlichen Programms als diskutierender oder „stummer“
Beobachter teil.
Begleitet wurde ich von meiner Praxis erfahrenen Frau Birgit Ebertz, die mir
stets, nicht nur im verantwortungsvollen Berufsalltag, mit Rat und Tat zur
Seite gestanden hat.
Die für mich spontane und unerwartete Einladung erfolgte durch Herrn Dr. Peter
Rosenthal, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikum
Lüdenscheid während einer unserer regelmäßigen Schwimmbadbesuche.
Seit vielen Jahren kenne ich ihn über die gemeinsame Patientenbetreuung und
schätze ihn auch als interessierter Hörer der von ihm in der Klinik angebotenen
Fortbildungsveranstaltungen.
Unverzüglich definierten meine Frau und ich unsere Reiseziele.
Fasziniert waren wir von der Vorstellung, in eine „völlig neue Welt einzutauchen“
mit einer gänzlich anderen Kultur, Gesellschaft und Religion, Landschaft und
Natur.
Dabei betrafen unsere Erwartungen auch die Möglichkeit zu näheren und
persönlichen Kontakten mit der iranischen Bevölkerung. Bei mir war zusätzlich
damit noch die Hoffnung zum Dialog mit persischen Kollegen verbunden.
Andererseits wollten wir, wie auch schon im aktiven Berufsleben, fachliche
Fortbildung mit kultureller Weiter- und Nachbildung verknüpfen, wobei der
Rentnerstatus diesen Intentionen meines Erachtens nicht entgegensteht. Der
Wissenszugewinn eines Arztehepaares nach Praxisaufgabe nützt zwar den Patienten
nicht mehr, dafür aber ihm selbst: er stabilisiert die noch vorhandenen
cerebralen Funktionen und schützt, zumindest statistisch, vor einem sonst
schneller verlaufenden Alterungsprozess.
Unsere trotzdem vorhandene anfängliche Skepsis und zögerlich-abwartende Haltung
wegen der internationalen politischen Spannungen zwischen dem Iran und dem
Westen wich zusehends einer neugierigen Vorfreude, nachdem unsere Befürchtungen
in privaten Kontakten mit dem iranischen Ehepaar Frau Nasim Momeni und Dr. Said
Moshref, Chefarzt der Emmaburg-Klinik in Bad Laasphe sowie von Frau und Herrn
Dr. Egbert Cardinal von Widdern, Oberarzt der Lüdenscheider Psychiatrischen
Abteilung, zerstreut worden waren.
Bei ihnen handelt es sich um die Organisatoren und Gründungsmitglieder des
ersten Psychosomatik-Kongresses 2007, die sich aber auch als Referenten
profiliert hatten. Dr. von Widdern war es gelungen, neben seiner Gattin auch
seine drei Söhne für das orientalische Abenteuer zu motivieren. Somit gingen
wir davon aus, dass ein Unternehmen, in das der Eigentümer auch seine
Familienmitglieder „investiert“, bei geringem Risiko eine außergewöhnliche
Rendite abwirft und man sich vertrauensvoll daran beteiligen sollte.
Überzeugungsarbeit leistete auch die diesmal verhinderte Frau Dr. Hartländer,
leitende Arbeitsmedizinerin im hiesigen Krankenhaus, die nach ihrer Teilnahme
am ersten psychosomatischen Kongress in Isfahan einen ausführlichen Report ins
Internet gestellt hatte und jetzt auf Nachfrage unverändert an ihrer positiven
Einstellung festhält.
Wie sind Ihre Eindrücke vom zweiten internationalen Psychosomatik-Kongress der Universität Isfahan?
Die Realisierung eines deutsch-iranischen oder sogar noch
international erweiterten Kongresses erfordert gigantische Anstrengungen.
Initiatoren und Organisatoren hatten eine Herkulesaufgabe zu bewältigen. Die
Entwicklung und Abwicklung eines solchen neuartigen Projektes dürfte
kompliziert, riskant und nicht frei von Rückschlägen gewesen sein. Obwohl nicht
mit der Kongressgestaltung und Durchführung befasster passiver Teilnehmer,
dürfte meine Vermutung zutreffen, dass besonders vor der Kongresspremiere 2007,
aber auch bei der diesjährigen und zukünftigen Wiederholungen unzählige Hürden
und Hindernisse, wenn nicht beseitigt, so doch „übersprungen“ werden mussten.
Den Veranstaltern gebührt höchste Anerkennung für ihre mutige Entscheidung,
solch eine aufwendige Veranstaltung aus der Taufe zu heben und dem Management
uneingeschränktes Lob für sein Engagement und seine Zähigkeit, diese so
reibungslos zu organisieren. Die vielen hoch qualifizierten Referenten füllten
den makellosen äußeren Tagungsrahmen mit wertvollem Inhalt. Ihre brandaktuellen
Übersichtsvorträge und speziellen, individuell ausgerichteten Workshops
überzeugten mit ihrem breiten Angebot auf hohem wissenschaftlichem Niveau.
Ich meine, dass dieses außergewöhnliche Experiment, eine wissenschaftliche Plattform
zwischen Vertretern unterschiedlicher politischer, gesellschaftlicher und
religiöser Systeme herzustellen, hervorragend gelungen ist. Aus meiner Sicht
ist es kein Zufall, sondern folgerichtig und von den Veranstaltern vermutet
oder wenigstens erhofft, dass gerade ein medizinischer Kongress mit seinem
relativ unpolitischen Themenkatalog eine überdurchschnittliche Chance auf eine
fruchtbare deutsch-iranische Annäherung und Verständigung in sich birgt.
In spezieller Weise mag sich zum interkulturellen Brückenschlag besonders ein
psychosomatischer Kongress eignen, weil auf ihm hinter der körperlichen Fassade
nach den seelischen Wurzeln einer Erkrankung gesucht wird. In jeder
Gesellschaft gibt es das Streben nach einem möglichst langen unversehrten Leben.
Auch dort hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es dazu der Einheit von
körperlicher und seelischer Unversehrtheit bedarf. Der Erfolg des Kongresses
beweist, dass die iranische Medizin dies erkannt hat und lässt hoffen, dass
auch die politischen Strukturen die Weiterentwicklung im Bereich der
psychosomatischen Forschung fördern.
Auf die Stellung der psychosomatischen Medizin verweist ein aktueller Artikel
aus der FAZ. Hierin wird darauf hingewiesen, dass die Praxen von Psychologen,
Psychiatern und Therapeuten wie Pilze aus dem Boden sprießen und der Markt für
Beruhigungsmittel und Antidepressiva boomt. In den florierenden Apotheken
werden auch ohne ärztliches Rezept Tranquilizer angeboten. Es verwundert nicht,
dass im Iran – auch in Deutschland besteht diese Hemmschwelle weiterhin – ein
seelisch Erkrankter sich kaum traut, offen zu zugegeben, dass er in
psychologischer oder psychiatrischer Behandlung ist.
Jeder weitere deutsch-iranische psychosomatische Kongress wird dazu beitragen,
dass psychische Erkrankungen von der Öffentlichkeit wahrgenommen und besser
akzeptiert werden. Außerdem ist zu hoffen, dass die Eigenbeschaffung
psychotroper Substanzen zukünftig untersagt wird in der Erkenntnis, dass
nebenwirkungsärmere und Erfolg versprechende Behandlungskonzepte existieren.
Wie beurteilen Sie das wissenschaftliche Niveau des Kongresses?
Als Echo auf die letzt jährige psychosomatische Premiere hat
sich die Besucherzahl auf 800 in einem Jahr verdoppelt. Aus der
deutsch-iranischen Zwei-Länder-Beziehung ist inzwischen eine internationale
Veranstaltung geworden mit Teilnehmern z.B. aus Afghanistan, Tadschikistan und
den Golfstaaten.
Die Kongresssprachen waren persisch, deutsch und englisch. Die persischen und
deutschen Vorträge wurden nicht simultan, sondern unmittelbar in die jeweils
andere Landessprache übersetzt.
Die Zahl der Referenten, die auf ca. 55 Vorträgen und 26 Workshops die
aktuellsten Forschungsergebnisse präsentierten, ist auf über 40 angestiegen.
Mir als Internist waren nur die „fachfremden“ Kollegen aus dem regionalen
Umfeld bekannt. Die im Iran lebenden oder den aus Deutschland angereisten
persischen Kollegen und auch den vielen renommierten deutschen Spezialisten bin
ich erstmals in Isfahan begegnet. Deren Spektrum war so breit gefächert wie
ihre Themenwahl. Es referierten Psychiater, Neurologen, Psychosomatiker,
Psychologen, Psychotherapeuten, Psychoanalytiker, Molekularbiologen,
Immunologen, Schmerztherapeuten, Orthopäden, Kinderchirurgen, Tanz- und
Ausdruckstherapeuten u. a. m.
Die Dauer der Vorträge lag bei 10 bis 20 Minuten. Die Einhaltung der
Sprechzeiten wurde minutiös überwacht und nach einer kurzen Zugabe wurde der
Referent vom „Chairman“ ermahnt und nach einer abermaligen Zeitüberschreitung
relativ brüsk unterbrochen. Auch die sich anschließende, zum Teil lebhafte
Diskussion musste bei dem Non-Stop-Programm zwangsgekürzt werden. Nicht jeder
Vortragende hatte dafür Verständnis und enteilte sichtbar enttäuscht, wenn
nicht frustriert dem Podium.
Oft kollidierte der Wunsch nach längerer Redezeit mit dem einer längeren
Diskussionsdauer. Ein Kompromiss ist sehr schwierig, will man nicht die Zahl
der Referenten und Vorträge reduzieren. Meines Erachtens war die tägliche
Kongressdauer und deren strukturierter zeitlicher Ablauf mit Verschnaufpausen, inklusive
Mittagessen angemessen. Die Kombination einer dreitägigen Kongressdauer mit
einem ebenso langen Rahmenprogramm dürfte auch den Vorstellungen der Mehrheit
der Kongressteilnehmer entsprochen haben.
Obwohl nur als Zuhörer von dieser Problematik betroffen, erlaube ich mir eine
eventuell praktikable Anregung. Vielleicht könnte man einem Referenten ein
zusätzliches Zeitkontingent von z.B. 15 Minuten einräumen. Dabei bliebe es
diesem überlassen, ob er diesen Überziehungszeitraum zur Hälfte mit der Verlängerung
seines Vortrags ausschöpfen möchte. Wenigstens eine Hälfte müsste allerdings in
jedem Fall zur Diskussion zur Verfügung stehen.
Für einen „Generalisten“, der in der Praxis ständig auch mit psychosomatischen
Problemfällen konfrontiert war, stellten die Vorträge einen guten
Refresher-Kurs dar. Natürlich haben mich auch die vielen neuen
Forschungsergebnisse beeindruckt. Noch mehr Gewinn dürften die aktuellen
wissenschaftlichen Beiträge den persischen Studenten und Ärzten gebracht haben;
schließlich hat die psychosomatische Disziplin, wie bereits angesprochen, im
Iran noch keine so lange Tradition wie bei uns. Gerade die Workshops mit den
kleinen Gruppen und dem hautnahen Kontakt zwischen Lehrern und Schülern dürfte
für sie sehr nützlich und hilfreich gewesen sein.
Würden Sie auch beim nächsten Kongress in den Iran kommen?
Diese Frage ist einfach für meine Frau und mich mit „ja“ zu
beantworten und setzt voraus, dass wir wieder eingeladen werden. Unsere
Beweggründe sind einfach zu benennen. Die in der Einleitung definierten
Reiseerwartungen und Hoffnungen sind in Erfüllung gegangen. Dies betrifft
sowohl den wissenschaftlichen als auch den kulturellen Aspekt.
Außerdem sind wir neugierig, wie sich der dritte internationale
psychosomatische Kongress in Isfahan weiter entwickelt und was sich in einem
Jahr im Iran verändert hat. Bei dem nur sehr kurzen Aufenthalt von einer Woche
sind wir sicher, dass wir aufgrund neuer Beobachtungen, Begegnungen und
Erkenntnissen vieles neu oder gänzlich anders sehen werden.
Ein wichtiges Argument für eine Wiederholung ist die Freude, unseren neuen
deutschen und persischen Freunden wieder zu begegnen und die zum Teil nur
flüchtigen Kontakte wieder aufzufrischen. Was ist aus unseren beiden persischen
Reisebegleiterinnen, was aus der isfahanischen Psychiaterin und was aus dem
hoteleigenen Taxifahrer geworden, der weder des Deutschen noch des Englischen
mächtig war, aber sein Fahrzeug meisterlich beherrschte, mit dem er uns auf
abenteuerliche Weise, aber letztlich unverletzt durch die bizarre
„Hochgebirgssteppenlandschaft“ kutschierte?
Sind die Vorbereitungen zur Reise in den Iran schwer?
Es ist sicher einfacher, über ein Reisebüro einen Urlaub in
ein noch so entfernt gelegenes Urlaubsparadies zu buchen. Aber unter
Berücksichtigung, dass es sich hier nicht um eine Pauschalreise von TV
Sonnenklar handelte, sondern um eine privat organisierte Reise in ein
islamisches und aus westlicher Sicht isoliertes und schwer zugängliches Land,
gab es kaum Probleme.
Privat heißt nun nicht, dass die gesamte Reiseorganisation in eigenen Händen
lag. Im Gegenteil, die Familie Momeni/Dr. Moshref hatten umfangreiche
Basisvorbereitungen getroffen und mit nützlichen Hinweisen zur individuellen
Gestaltung versehen. Für unsere regionale Gruppe war ein gemeinsamer Abflugtermin
von Köln-Wahn terminiert und von Teheran ein Bus zur Weiterreise nach Isfahan
vorbestellt worden.
Für die Unterbringung im 5-Sterne-Luxus-Hotel „Abbasi“ wurden Zimmer für die
gesamte Reisegruppe gebucht. Sowohl für den Flug, inklusive Bustransfer als
auch für das Hotel waren günstige Gruppen-Rabatte ausgehandelt worden. Dadurch
wurden die bereits durch den günstigen Wechselkurs (Euro zum Dollar und zum
iranischen Tuman) niedrigen Reisekosten nochmals reduziert.
Nachdem wir nach reiflicher Prüfung endlich alle Vorbehalte und Bedenken „über
Bord geworfen“ hatten und die Entscheidung für das Iran-Wagnis unwiderruflich
feststand, waren die Formalitäten relativ schnell erledigt: Unterschrift unter
die Kongress-Teilnahmeerklärung und Überweisung der gewünschten Gebühr,
Flugbuchung bei „Iran-Air“ und Beantragung eines Einreisevisums bei der
persischen Botschaft in Frankfurt. Die Bestätigung erfolgte schnell (nach einer
Woche) und unbürokratisch, vorausgesetzt man hatte ein Passfoto (en face)
beigefügt und darauf geachtet, dass man auf dem Portrait ernst („ohne zu
lachen“) und unbebrillt zu identifizieren war.
Skeptiker hatten behauptet, dass die Einreise nicht genehmigt worden wäre, wenn
im Reisepass Stempel von amerikanischen oder israelischen Grenzbehörden
entdeckt worden wären.
Trotz unserer minutiösen und scheinbar perfekten Planung wäre die Reise
trotzdem fast geplatzt, weil wir durch unsere Unentschlossenheit die
vorbestellten Flugtickets erst zehn Tage vor Reiseantritt definitiv bestätigt
hatten. Die freundliche Mitarbeiterin von „Iran-Air“ teilte uns auf Englisch
mit Bedauern mit, dass wegen unseres Versäumnisses der endgültigen Bestätigung
der Flug nun ausgebucht sei. Nur ein flehentlicher „Bettelruf“ meiner Frau
verbunden mit einer Lobeshymne auf die beeindruckende persische Geschichte und
einzigartige Kultur und die sich nie wieder ergebende Chance auf eine
leibhaftige Berührung mit derselben, hat auf wunderbare Weise zu einer
Stornierung eines bereits verkauften Ticket-Paars geführt und in unseren Besitz
gebracht. Allah sei Dank, aber erst nach der Rückkehr konnten wir ermessen,
welch großartiges Erlebnis uns durch Zaudern fast entgangen wäre.
Zur Frage der geeigneten Zahlungsmodalitäten und Devisen haben wir die
widersprüchlichsten Antworten erhalten. Schließlich haben wir uns dazu
durchgerungen, eine mäßig hohe Bargeldsumme in Euro mitzunehmen und diese im
Hoteltresor gesichert. Vom Depot haben wir wegen des günstigen paritätischen
Wechselkurses immer nur kleinere Geldmengen für Essen, Einkäufe, Taxifahrten
und Trinkgelder entnehmen müssen. Mit der größeren Restsumme haben wir die
Hotelkosten beglichen, da ein Zahlungsverkehr mit „Karte“ nicht akzeptiert
wurde.
Für preisbewusst Reisende möchten wir hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass
das gesamte kulturelle Rahmenprogramm der beiden ersten Tage, d.h.
Busexkursion, Reiseleitung und Eintrittsgebühren für die Kulturstätten
kostenlos war bzw. in dem günstigen Pauschalangebot der von der Familie
Momeni/Dr. Moshref autorisierten isfahaner Reiseagentur integriert und mit der
Begleichung der Hotelkosten abgegolten war.
Wem diese Angaben noch zu ungenau sind, nennen wir gerne die Kosten für Flug,
Hotelunterbringung, kulturelles Rahmenprogramm, Kongressgebühr und Visa für uns
zwei Personen: 1.600 Euro. Sonstige Nebenkosten wie z.B. Essen, Taxifahrten und
private Einkäufe sind für unsere Preisvorstellungen fast vernachlässigbar.
Als schwierigste Reisevorbereitung erwies sich der für ein
bildungshungriges deutsches Rentnerehepaar unverzichtbare Erwerb eines Reiseführers.
Nach intensiven Nachforschungen erhielt ich schließlich in allerletzter Minute
aus verschiedenen Quellen zwei ältere Ausgaben, die ich aus Zeitgründen keiner
vergleichenden Prüfung mehr unterwerfen konnte und in der Annahme, dass sie
sich irgendwie ergänzten, im Doppelpack einkaufte.
Sicherheitshalber habe ich dann immer beide Reiseführer mitgeschleppt, aber
selten in ihnen geblättert. Ich hätte auch ganz auf sie verzichten können. Aber
damals ahnte ich noch nicht, welch kompetente, engagierte, liebenswerte und
ausgezeichnet Deutsch sprechende Reiseleiterin uns betreuen würde. Statt in den
Reiseführer habe ich viel lieber in das schöne Antlitz unserer Reiseleiterin
geschaut, die uns ausdrucksvoll und charmant mit den verschiedenen Wesenszügen
ihrer persischen Heimat vertraut machte und uns für die Eigenarten ihres Volkes
und seiner Kultur zu gewinnen suchte. Auch andere Teilnehmer waren fasziniert,
wie sensibel Frau Nasim Ebrahimi persische Lieder vortrug und deutsche sowie
persische Gedichte rezitierte.
Wie war Ihr Aufenthalt in der Stadt Isfahan und wie sehen Sie diese Stadt?
Isfahan ist so alt wie die iranische Geschichte überhaupt
und reicht bis ins 5. Jahrhundert vor Christus zurück. Es gibt viele
Sehenswürdigkeiten, deren Besichtigung mindestens eine Woche beansprucht. Die
Großstadt liegt in ca. 1500 Metern Höhe und besitzt im Sommer ein heißes,
trockenes Klima mit spärlichem Niederschlag, auch der Winter ist mild mit
Durchschnittstemperaturen über dem Gefrierpunkt. Hier leben ca. 2,5 Millionen
Einwohner am Fuße des Zagros-Gebirges, wo auch der breite Fluss Zayandehrud
entspringt und die Stadt zu einer riesigen Oase macht. Er bewässert
Baumwollfelder für die Textilindustrie sowie ausgedehnte Obstplantagen und
schafft damit günstige Wachstumsbedingungen auch für die köstliche
Wassermelone, die auf allen Märkten angeboten wird und bei unseren Exkursionen
für unentbehrliche Erfrischung sorgte.
Zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt die gesamte historische Altstadt mit
„Großem Platz“ inklusive Basar sowie dem benachbarten Flussbereich mit
Brückenensemble und Uferpromenaden.
Der von den Safawiden im 17. Jahrhundert als Versammlungs- und Spielort
gestaltete „Große Platz“ war berühmt für seine Polo-Turniere. Heute hat er,
durch mehrere Springbrunnen verschönert, einen parkähnlichen Charakter. Er ist
umgeben von mehreren herrlichen Moscheen sowie von Galerien mit Geschäften und
Werkstätten und beeindruckt mit seiner vollendeten Harmonie.
Hier ist das Herz der Stadt, hier pulsiert das Leben, aber nicht so heftig und
mit so hoher Schlagfrequenz wie in unseren Großstädten. Wie am Fluss trifft man
sich auch hier, verabredet oder zufällig. Hier lustwandeln Verliebte und junge
Ehepaare. „Lustwandeln“ hat im islamisierten Iran selbstverständlich eine
andere Bedeutung. Es gibt keine innige Umarmung zwischen den Geschlechtern,
keine Küsse, kein Geknutsche. Man sitzt verträumt dicht beieinander oder
promeniert eng nebeneinander. An der Körperhaltung, den Gebärden, am Blick und
an der Sprache erkennt man die Verliebten. Nur die jung vermählten Paare dürfen
sich an den Händen fassen.
Unmittelbar neben dem „Großen Platz“ liegt der berühmte Basar mit einem
Labyrinth von angenehm kühlen Wegen und schmalen Gassen. Wir werden angelockt
von dem untrennbaren Gemisch tausender Gewürz-Aromen und Parfüm-Düften. Wenig
erfolglos versuchen wir dem Kauderwelsch der Händlerargumente und den
Umgarnungsversuchen zu entrinnen. Es bedarf schon der strikten Einhaltung eines
vorher gemeinsam getroffenen Sparsamkeitsgelöbnisses, um den verführerischen
Angeboten nicht zu erliegen, denn die Souvenirs wie Teppiche, Keramikware,
Schmuck und Lederwaren sind wirklich preiswert.
Unweit von der quirligen Altstadt fließt gemächlich der „Breite Fluss“.
Architektonisch beeindruckende Brücken mit Bögen, Nischen und Arkaden verbinden
die gegenüberliegenden Ufer und Stadtteile. Schnellen und natürliche Wehre
unterbrechen und stauen seinen Lauf. Der nächtliche Spaziergänger wird
verzaubert durch die verschiedenartigen Lichtspiele: den matten Laternenschein
der Uferpromenade, das grelle Scheinwerfer-Glitzerlicht der in
Sekundenabständen aufschießenden Flussfontänen und die sich im Wasser
widerspiegelnde ferne Silhouette der schwach illuminierten Brückenkomposition.
Diese großartige Abendstimmung versetzt den europäischen Betrachter in die
Märchenwelt von „1000 und einer Nacht“. Wir erleben sie nicht in einsamer
Zweisamkeit, sondern teilen sie mit mehreren tausend Isfahanern. Das gesamte
gesellschaftliche Leben scheint sich in der Dämmerung zum Fluss hin zu verlagern.
Wir sind atomarer Bestandteil des lebhaften Gewimmels der Paare, Familien und
kleinen Gruppen mit Kindern jeden Alters. Durch deren fröhliches Johlen und
Kichern fühlen wir uns nicht genervt. Im Gegenteil, wir genießen es, wohl weil
sich in uns bereits eine orientalische Metamorphose vollzogen und unsere
europäische Unruhe in „unendliche Gelassenheit“ verwandelt hat. Wir erfreuen
uns an diesem regelmäßig stattfindenden Volksauflauf und erkennen in ihm ein
enormes Kontaktbedürfnis und das Ventil einer latent vorhandenen
„überschäumenden“ Lebensfreude.
Bei dem „Abbasi“ Hotel handelt es sich um eine 1975
umgebaute Karavanserei aus der Blütezeit der Safawiden mit phantastischem
Innenhof und Blumenrabatten, Wasserbecken mit Springbrunnen sowie zwei
Restaurants und einer Teestube. Von den Arkaden am Rande der betörend duftenden
Blumenbeete wandert der Blick immer wieder zu den blauen Mosaiken der großen
Kuppel der Medresse-ye Chahar Bagh mit ihren hohen Minaretten. Besonders
beeindruckt ihr abendlicher Anblick bei matter Illumination unter einem
sternenbesetzten dunklen Firmament. Auch dieses überwältigende Bild verzaubert
den Betrachter und versetzt ihn erneut in die märchenhafte Welt von „1000 und
einer Nacht“.
Auch beim reichhaltigen Frühstück im historischen Ambiente hat man einen
reizvollen Blick in den lichterfüllten Innenhof. Auf opulenten Büffets werden
landestypische Produkte serviert.
Die Organisation und Betreuung der deutschen Gäste durch die
IATA, International Tour und Travel Agency „Prestige Tour“, war hervorragend.
Die junge Chefin Frau Marzieh Barin war sehr hilfsbereit und zeigte immer
Verständnis für unsere vielfältigen Fragen und bisweilen auftretende Probleme.
In einigen besonders hektischen Situationen, z.B. bei dem überraschend
angeordneten einnächtigen Umzug in ein anderes Hotel, bewahrte sie eine
stoische Gelassenheit. Die Umquartierung wurde nicht von der Reiseagentur
verschuldet, sondern war Folge eines Diktats höchster staatlicher Würdenträger,
die unsere Unterkünfte beanspruchten. Der nicht unberechtigte Ärger der
Betroffenen verflüchtigte sich in der Gegenwart von Frau Barin unversehens.
Durch ihre verständnisvolle und ruhige Reaktion vermittelte sie den
Beschwerdeführern den Eindruck, dass das aufgetauchte Problem für sie nicht
unlösbar sei. Eine perfekte Organisation und reibungsloser logistischer Ablauf
der Um- und Rückquartierung bestätigte, dass dieser nicht getrogen hatte.
Frau Barin war eigentlich immer zur Stelle, morgens traf man sie vor dem
Früh-stück im Foyer und abends dort wieder nach Rückkehr vom Stadtbummel. Sie
organisierte verlässlich unseren privaten Taxiausflug zu entfernter gelegenen
Kulturstätten. Sie ließ nach im Stadttrubel vermissten bzw. noch im Basar
feilschenden Hotelgästen fahnden, wenn deren Verspätung bei der Busabfahrt
drohte.
Welchen Eindruck haben sie von der jungen Generation im Iran?
Überspitzt formuliert, es sind uns kaum alte Menschen
aufgefallen. Das mag an unserem Alter und der selektiven Wahrnehmung einer
Rentner-Generation liegen.
Aus unserer Sicht jedenfalls dominiert überall die jüngste, junge und noch
junge Generation: beim Kongress und auf dem Universitätsgelände, beim
Spaziergang auf dem „Großen Platz“ und am Flussufer, bei unseren Besichtigungen
der kulturellen „Highlights“ sowie bei unseren Ausflügen am Freitag, dem
islamischen Feiertag, in die „Touristenorte“ Abyaneh, Fin und Kashan.
Die persische Alterspyramide scheint noch intakt zu sein, die Geburtenrate
liegt in jedem Fall wesentlich höher als bei uns. Über die Lebenserwartung der
Bevölkerung liegen mir keine Zahlen vor, vielleicht liegt die Dominanz der
Jugend in der Öffentlichkeit an der persischen Tradition, dass sich der älter
werdende Mensch mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück zieht und ein Leben
in häuslicher Umgebung vorzieht.
Unsere Begegnungen und Kontakte fanden also meistens mit der jungen Generation statt. Zwei junge Frauen habe ich bereits vorgestellt, die Reiseleiterin und die Reisebegleiterin. Mit ihnen lernten wir zwei selbstbewusste Stellvertreterinnen der jungen intellektuellen Frauengeneration kennen. Sie fühlten sich durchaus ihren kulturellen und religiösen Wurzeln verpflichtet, zeigten sich in Gesprächen aber auch offen für unsere abendländischen Wertvorstellungen und europäischen Traditionen.
Aber die erste persönlichere Begegnung mit einer jungen
Iranerin fand bereits auf dem Hinflug statt. Die Maschinenbaustudentin, die
eine Sitzreihe hinter uns Platz gefunden hatte, suchte aus einem überquellenden
Mitteilungsbedürfnis heraus das direkte Gespräch mit uns. Sie berichtete
begeistert und nicht ohne Stolz, dass sie in Teheran von ihren Eltern und
vielen Geschwistern sehnlich erwartet würde.
Sie erzählte weiter, dass sie seit ca. zwei Jahren mit ihrem Bruder in Aachen
lebe und es ihr dort gut gefalle. Sie müsse sehr fleißig sei, um den
Anforderungen zu genügen, aber wenn sie nach erfolgreich abgeschlossenem Examen
in ihre Heimat zurückkehren werde, erwarteten sie dort gute berufliche
Aufstiegschancen.
Kurz vor der Landung wies sie meine Frau liebenswürdig, aber unmissverständlich
darauf hin, dass es jetzt Zeit sei, den für Frauen strengen
Bekleidungsvorschriften der islamischen Republik Folge zu leisten. Sie war
bereits mit gutem Beispiel voran gegangen und hatte den größten Teil von Kopf
und Gesicht mit einem schwarzen Tuch verhüllt. Ihre fröhlichen Augen verrieten
die Vorfreude auf das Wiedersehen und bezeugten, dass sie im Gegensatz zu
europäischen Frauen das Verschleierungsgebot weder lästig noch hinderlich
empfand.
Ein weiterer sehr persönlicher Kontakt fand mit einer jungen
einheimischen Medizinerin im Hörsaal am ersten Kongresstag statt. Die
promovierte Fachärztin für Psychiatrie verwickelte uns in den Pausen in ein in
Englisch geführtes intensives Gespräch. Sie erkundigte sich über unsere
Biographie und unsere Erwartungen in ihrer Heimat.
Diese herzliche Begegnung endete mit einem für uns überraschenden
Geschenkpaket: ein Medaillon für meine Frau und für uns beide eine Einladung
zum Essen mit Kind und Ehemann. Dieses Treffen konnte wegen einer Verspätung im
Bustransfer und dem Schlafbedürfnis des Nachwuchses nicht stattfinden. Wir
haben dies sehr bedauert, so blieb uns doch ein Einblick in eine persische
Familie verwehrt. Glücklicherweise konnten wir wenigstens mit einem
Buchgeschenk reagieren, das ich für einen solchen Fall vorsichtshalber aus
Deutschland mitgebracht hatte. Ich hinterlegte an der Hotelrezeption ein
Lehrbuch der psychosomatischen Medizin mit entsprechender Widmung, mehr gedacht
als Erinnerung, denn als Quelle fachlicher Wissensvermehrung, da es in Deutsch
verfasst war und nicht in der von unserer neuen Freundin beherrschten
englischen Sprache. Wir waren sehr überrascht, dass wir Anfang September von
ihr eine E-Mail erhielten.
Als Nicht-Referenten blieb uns mehr Zeit für eigene,
„ungeführte“ Stadtbesichtigungen, bei denen sehr leicht Kontakte mit der
Bevölkerung hergestellt werden konnten. Von der Mehrheit fühlten wir uns
unbeobachtet und trotz unseres unverkennbar europäischen Habitus wie
selbstverständlich wahrgenommen und akzeptiert. Aber einige Einheimische
näherten sich uns raren Touristen neugierig und erwartungsvoll, manchmal
bestaunte man uns auch wie seltene Exoten im Zoo. Wegen der Sprachbarriere
blieb es meist bei Verständigungsversuchen in holprigem Englisch. Unsere
eigenen Gesprächs-Initiativen wurden fast nie ignoriert oder abgewehrt. Wir
schienen willkommene Gäste zu sein.
Zahlreiche Fotos dokumentieren die Freude über eine Begegnung mit uns
europäischen Besuchern. Das Interesse an einem Foto war manchmal rührend.
Besonders die Jüngsten bedrängten uns stürmisch in der Hoffnung auf ein
Konterfei.
Für unser Objektiv schien es nirgendwo eine Einschränkung oder ein Verbot zu
geben. Dankbar nutzten wir diese Gelegenheit und richteten unser Kameraauge
nicht nur auf die „unbeweglichen“ Kulturstätten und Kunstschätze, sondern mehr
noch auf den „lebendigen“ persischen Alltag mit seinen abwechslungsreichen
Szenen und seinen uns freundlich gewogenen Menschen.
Sechs Beispiele sollen dies illustrieren:
Wir stießen auf eine wild aus dem Schulbus herausstürzende
und nach Hause rennende Klasse vorpubertärer Mädchen, die erst innehielten, als
wir ihnen zuwinkten. Als sie bemerkten, dass wir ihnen unser Obst schenken
wollten, wich nach und nach ihre anfängliche Skepsis und Zurückhaltung und sie
stellten sich kichernd vor uns auf: die mutigsten in der ersten, die
misstrauischen in der zweiten und nur eine sehr ängstliche in der letzten
Reihe.
Auf dem „Großen Platz“ postierte sich eine lärmende und herumtollende
Kindergartengruppe, nachdem sie sich endlich auf Anordnung ihrer schwarz
verschleierten, verständnisvoll lächelnden Klassenlehrerin gehorsam in Reih und
Glied aufgestellt hatten.
Drei auf dem benachbarten Rasen sitzende und zeichnende Schülerinnen reagierten
auf unsere Bitte, sie abzubilden, erst verschämt, später geschmeichelt, nachdem
wir ihre Arbeiten anerkennend gewürdigt hatten.
Die am Ufer des Zayandehrud Flusses knienden und von uns überraschten drei
Studentinnen der Technischen Fakultät ließen sich ebenfalls gerne ablichten und
präsentierten uns dabei stolz ihre chemischen Formeln und grafischen
Darstellungen.
Auch im Restaurant war unsere Fotojagd erfolgreich. In der Intimität eines mit
Teppich ausgekleideten Séparées entdeckten wir beim Abendmahl ein verliebtes,
glückliches junges Ehepaar. Sie war wunderbar, denn ihre ebenmäßige Gestalt,
anmutige Haltung und edles Antlitz ließen männliche Augen „unschicklich“ lange
auf ihr verweilen. Ich hatte hier ein film reifes Topmodel vor mir, hätte aber
selbst nicht gewagt, sie und ihren sichtlich stolzen Ehemann auf eine
Einwilligung zur Abbildung auf Glanzpapier anzusprechen. Das übernahm dann,
unverfänglicher, meine Frau, und auf ihre erfolgreiche Bitte hin rückte sie
noch enger an ihren Mann und zeigte ihr verführerischstes Lächeln noch
verführerischer.
Selbst die iranische Armee war uns freundlich gesonnen. Fröhlich lächelnd und
sich einhakend nahmen die uniformierten jungen Soldaten spontan unser Angebot
eines Gemeinschaftsfotos an.
Zusammenfassung
Der zweite psychosomatische Kongress in Isfahan war ein großer
Erfolg. Er bot ein ausgezeichnetes wissenschaftliches Programm und eine
günstige Gelegenheit zu einem fachlichen und interkulturellen
Gedankenaustausch. Das touristische Programm war das „Sahnehäubchen“. Der
Rückblick in die persische Geschichte erleichterte das Verständnis für die
Gegenwart.
Wir sind dankbar, dass wir eingeladen wurden und an diesem Kongress teilnehmen
durften. Wir wurden von den Iranern höflich als Gäste empfangen und herzlich
als Freunde verabschiedet. Wir erinnern uns gerne an die vielen fachlichen und
persönlichen Kontakte zu den Veranstaltern, Referenten und anderen Teilnehmern
des Kongresses und hoffen, im nächsten Jahr die Beziehungen wieder aufnehmen
und vertiefen zu können.
Die beiden Kongresse werden zu keiner politischen Wende und
zu keiner Entspannung im deutsch-iranischen Verhältnis führen. Aber es sind
winzige Schritte zu einem besseren Verständnis unterschiedlicher Kulturen und
Gesellschaftsformen.
Es wäre wunderbar, wenn es den Veranstaltern gelingen würde, diesen Kongress
fortzuführen und zu etablieren.
Wir wünschen der Organisationsleitung wie bisher eine glückliche und starke
Hand sowie ein günstiges Umfeld für die Realisierung des dritten
internationalen psychosomatischen Kongresses in Isfahan.
Wir haben keinen Einfluss auf ein Gelingen. Aber wir versprechen, überall für
ihn zu werben!
Dr. Kurt Helmut Ebertz


